News: Ben Bettin: "Meine erste Bundesliga-Badekappe habe ich in meinem Zimmer aufgehängt"

21.10.2020 11:31 von Thorsten Eisenhofer

Benedikt Bettin (Team Berlin) hat dieses Jahr seine Premiere in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gefeiert. Er hat uns erzählt, warum er derzeit öfter nachts aufstehen und Höchstleistungen bringen muss, wie er es geschafft hat, aus einem fast schon verloren geglaubten Jahr noch viel herauszuholen und warum er eine Badekappe in seinem Zimmer aufgehängt hat.

Ben, wenn es Corona nicht gäbe, wärst du nun in den USA zum Studium. Stattdessen nimmst du an den Vorlesungen online aus Deutschland teil.

Mit der Zeitumstellung von acht Stunden ist das nicht ganz einfach. Für mich geht die Uni nachmittags los und oftmals bis spät in die Nacht. Ich habe zum Teil noch Vorlesungen von ein bis zwei Uhr in der Nacht. Dann gehe ich abends ins Bett, stelle mir den Wecker, höre mir die Vorlesung an und schlafe danach wieder ein.

Klingt schwierig.

Bislang klappt es erstaunlich gut. Ich bin ein anpassungsfähiger Mensch und komme mit vielem klar. Könnte ich das nicht, wäre das so nicht möglich.

Du schreibst sogar nachts Klausuren.

Da habe ich ein Zeitfenster von ein Uhr bis vier Uhr nachts. Das ist natürlich nicht besonders einfach. Aber erstaunlicherweise sind alle Klausuren bisher gut gelaufen. Ich kann sogar vor den Klausuren schlafen. Nur danach ist es nicht so einfach, wieder einzuschlafen.

Apropos gut schlafen. Du hast dieses Jahr in Saarbrücken dein erstes richtiges Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga absolviert. Warst du besonders nervös?

Ich war schon aufgeregter als vor anderen Rennen. Bei mir zeigt sich das vor allem dadurch, dass ich viel rede (lacht).

Deine eigentliche Premiere in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga hast du ja bereits beim dezentralen Swim & Run gefeiert.

Das war ein tolles Erlebnis. So richtig bewusst, dass ich an einem Bundesliga-Rennen teilnehmen darf, ist mir dies geworden, als wir die Bundesliga-Badekappen erhalten haben. Das war für mich ein besonderer Moment. Die Badekappe hat in meinem Zimmer auch einen Ehrenplatz erhalten.

Ein Bundesliga-Start war also schon länger dein Traum?

Klar. In den vergangenen Jahren habe ich immer zu den Athleten aufgeschaut, die in der Bundesliga gestartet sind. Ich habe mir nach den Rennen immer die Highlightvideos angesehen. Ich dachte immer: Die Athleten sind alle so cool, so schnell, das will ich auch schaffen. Ich bin zwar noch nicht ganz so cool und ganz so schnell wie die Besten, aber ich durfte zumindest schon mit ihnen an der Startlinie stehen.

Dabei hat dieses Jahr alles andere als gut für dich begonnen.

Ich bin Anfang des Jahres beim Laufen umgeknickt und musste am Knöchel operiert werden. Zehn Wochen durfte ich nicht trainieren. Danach konnte ich 20 Minuten auf der Rolle fahren. Bei 100 Watt. Danach war ich platt. Das war nicht einfach.

Doch ab Sommer lief es dann. 20. beim Swim & Run, erstes richtiges Bundesligarennen in Saarbrücken und dazwischen noch deine Premiere im Junioren-Europacup.

Es war ein tolles Gefühl, erstmals den Einteiler mit dem Schriftzug Germany zu tragen. Es lief in Olsztyn überraschend gut, der achte Platz war ein besseres Ergebnis als erwartet.

Warum hast du trotz der Verletzung noch so eine gute Saison hinlegen können?

Die Verletzung kam rückblickend zu einem günstigen Zeitpunkt. Als im Frühjahr für die anderen Athlet*innen coronabedingt nach und nach die Saisonziele wegfielen, war bei mir gerade der Zeitpunkt, an dem ich wieder ins Training starten konnte. Ich war nach zehn Wochen Trainingspause mental hungrig. Ich habe mir nicht bestimmte Wettkämpfe als Ziel gesetzt, sondern wollte einfach wieder Spaß am Sport haben.

Du hast dich also vom Kopf her nicht verrückt gemacht?

Mir war klar, dass ich nur gewinnen kann. Ich habe mir keine Platzierung als Ziel gesetzt, sondern mich gefreut, dass ich starten kann. Darüber hinaus habe ich alles als Bonus gesehen.

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