News: "Wenn man dann die Fotos der Profis im Trainingslager sieht, denkt man schon, das wäre cool"

12.11.2020 11:31 von Thorsten Eisenhofer

Jonas Hoffmann von WEICON Tri Finish Münster blickt auf mittlerweile fünf Jahre in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga zurück. Ein Gespräch über die Vor- und Nachteile eines Lebens als Nicht-Profi, die Versuchung eine Profi-Laufbahn einzuschlagen und die Lust am Freiwasserschwimmen.

Jonas, lass uns mit einem Rückblick beginnen, da du in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga schon einige Jahre dabei bist. Dein erstes Rennen war 2016 in Ingolstadt.

Es hat fünf Minuten vor dem Start angefangen heftig zu regnen. Auf der Radstrecke war es sehr glatt, alle sind vorsichtig gefahren und es war am Ende eine sehr große Gruppe. Für mich als laufstarken Athleten war es natürlich gut (Jonas belegte Rang 27, Anm. d. Red.). Leider habe ich den zweiten Wechsel verpatzt. Erst hat sich mein Rad mit dem eines Gegners verhakt, dann bin ich nicht in den Schuh reingekommen. Da gibt es sogar ein Video davon (lacht). Das sind so Fehler, die einem nicht mehr passieren und sicherlich auch auf die Nervosität zu schieben sind.

Du bist einige Jahre für das EJOT Team Buschhütten gestartet, hast einige Titel gewonnen. Was hast du mitgenommen aus der Zeit?

Ich konnte von Topathleten wie Henri Schoeman oder Richard Murray sehr viel lernen.

Nun wolltest du dieses Jahr mit Weicon Tri Finish Münster durchstarten.

Ich wollte mich den Sommer über - gemeinsam mit meinem Trainer Lars-Erik Fricke - voll auf die Bundesliga konzentrieren. Nachdem klar war, dass die Bundesliga-Saison coronabedingt nicht so wie geplant stattfinden kann, habe ich mich beim Radfahren mit Freunden in der Schweiz Anfang Juni dazu entschlossen, bei der Challenge Davos im September meine erste Mitteldistanz zu absolvieren. Das Rennen wurde dann ja bekanntlich wegen eines Unwetters abgebrochen.

Die Mitteldistanz bleibt aber weiterhin eine Option für dich?

Ich will in den kommenden Jahren ausloten, was für mich auf der Mitteldistanz möglich ist[JH1] und kann hier besonders auf die Erfahrung und Unterstützung meines neuen Partners Racextract bauen. Ich will 2021 einen Mix aus Bundesliga- und Mitteldistanzrennen machen. Für meine Entwicklung ist es auf jeden Fall wichtig, weiterhin in der Bundesliga zu starten. Außerdem machen die Rennen viel Spaß, ich finde es toll, im Team zu starten, das Niveau ist hoch und die Stimmung an der Strecke ist immer super.

Momentan arbeitest du 35 Stunden die Wochen als Einkäufer bei einem Maschinenbau-Unternehmen. Ist es für dich vorstellbar, Profi zu werden?

Wenn es gut läuft, kann ich mir das vorstellen. Ich bin froh, dass ich sehr flexible Arbeitszeiten habe. So kann ich morgens vor dem Arbeiten bereits eine Trainingseinheit absolvieren. Früher habe ich immer geschaut, dass ich frühestmöglich mit dem Arbeiten beginne, früh fertig bin und dann nachmittags zwei Einheiten mache. Aber das war dann auch oft sehr hart und mein derzeitiges Modell gefällt mir deutlich besser.

Gibt es Momente, in denen du denkst, wäre ich doch ein Profi?

Natürlich gibt es die ab und an. Es gibt Tage, die stressig sind, an denen viel zusammen kommt und mir alles schwer fällt. Wenn man dann in den sozialen Medien die Fotos der Profis im Trainingslager im Süden sieht, während man selbst morgens im Dunkeln zum Schwimmen fährt und abends im Dunkeln läuft, denkst du schon, das wäre cool. Aber mein Job macht mir viel Spaß und ich arbeite gerne. Und in der aktuellen Situation bin ich auch froh, dass ich nicht voll auf den Sport gesetzt habe.

Gab es in deiner Karriere einen Punkt, an dem du ernsthaft drüber nachgedacht hast, Profi zu werden?

2015. Da bin ich nicht nur überraschend Deutscher Junioren-Vizemeister im Duathlon, sondern auch im Triathlon geworden. Da habe ich darüber nachgedacht. Ich bin dann aber trotz Qualifikation nicht für die Junioren-Weltmeisterschaft nominiert worden und hatte auch schon einen Vertrag für die Ausbildung unterschrieben. Ich bin ganz gut im Triathlon, habe sicherlich auch noch Potential. Aber ich weiß nicht, ob es gereicht hätte, um vom Triathlon leben zu können.

Hinzukommt, dass ich sehr spät mit Triathlon begonnen habe. Ich bin zwar regelmäßig bei Schüler-Triathlons gestartet, aber ohne dafür richtig zu trainieren, was auch daran lag, dass es mindestens eine Stunde Fahrzeit zum nächstliegenden Verein mit Jugendarbeit gewesen wäre. Daher habe ich erst 2012 angefangen, richtig leistungsorientiert zu trainieren. Um auf der Kurzdistanz international zu starten war das, vor allem mit Blick auf das Schwimmen, natürlich zu spät.

Das Schwimmen ist also deine größte Schwäche?

Ich merke das vor allem bei Rennen im Becken, wie zuletzt in Saarbrücken. Da verliere ich bei jeder Wende auf einen guten Schwimmer eine Sekunde. Im Freiwasser lässt sich der Wasserschatten nutzen. In Davos bin ich als Achter des Elitefeldes aus dem Wasser gekommen. Mit solch einer Ausgangslage nach dem Schwimmen ist noch viel machbar.


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