News: Luca Heerdt: "Es kommt öfter vor, dass ich in die Schwimmhalle hetze"

12.05.2020 08:10 von Thorsten Eisenhofer

Luca Heerdt startet seit vielen Jahren für WEICON Tri Finish Münster in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga. Im Interview hat er uns erklärt, was es mit dem 3:1:2:1-System auf sich hat, erzählt, wie er vom Wasserballer zum Triathleten wurde und verraten, warum er den Teamgedanken irgendwann mal zur Seite schieben musste.

Luca, aufgrund des Coronavirus finden derzeit keine Wettkämpfe statt, du trainierst auch ein bisschen weniger. Wie nutzt du die gewonnene Zeit?

Ich habe mehr Zeit für mein Lehramtsstudium und versuche, dieses voranzutreiben. Ich habe im Februar ein vom Studium verpflichtendes Praktikum an einer Schule begonnen. Das ist derzeit unterbrochen und es ist nicht absehbar, wann es weiter geht. Ich war gerade richtig eingearbeitet, da war es auch schon wieder vorbei.

Ein bisschen reinschnuppern in den Beruf des Lehrers konntest du vermutlich trotzdem.

Auf jeden Fall. Ich habe das Gefühl, dass mir der Job liegt. Es ist schade, dass die Phase des Praktikums, in dem ich selbst Stundenentwürfe erarbeite und mal selbst vor der Klasse stehe und unterrichte, gerade erst beginnen sollte. Die Erfahrung würde ich natürlich gerne noch sammeln.

Hast du schon mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet?

Als Schwimmtrainer. Und ich habe auch mal Nachhilfe gegeben. Aber das Praktikum wäre nun meine größte Praxiserfahrung gewesen. Als Leistungssportler ist es nicht so einfach, nebenbei noch regelmäßig als Trainer zu arbeiten.

Was reizt dich am Beruf des Lehrers?

Ich würde gerne im Sportunterricht (Luca studiert Lehramt auf Sport und Mathematik, Anm. d. Red.) das weitergeben, was ich in den Jahren als Athlet erfahren habe. Ich denke, dass ich junge Schüler, die leistungssportlich aktiv sind, gut unterstützen kann, weil ich Verständnis für ihre Situation mitbringe. Mathe habe ich selbst gerne in der Schule gehabt. Ich hoffe, dass ich das nun gut erklären kann.

Wie schwierig ist für dich der Spagat zwischen Leistungssport und Uni?

Er wird immer schwieriger, denn die Uni wird nicht einfacher zum Ende des Studiums hin. Ich bin bislang ganz gut zurechtgekommen, auch wenn ich nicht die allerbesten Noten habe, weil ich weniger Zeit fürs Lernen investieren konnte. Ich werde auch ein oder zwei Semester mehr als die Regelstudienzeit benötigen.

Wie sieht dieser Spagat zwischen Uni und Sport in der Praxis aus?

Es kommt schon öfter vor, dass ich in die Schwimmhalle hetze (lacht). Wir Sportstudenten in Bochum dürfen jeden Tag von zwölf bis 15 Uhr die Schwimmhalle nutzen. Ich habe oftmals von zehn bis zwölf Uhr eine Vorlesung, gehe dann ins Unibad, habe anschließend eine weitere Vorlesung und dann erneut Training. Da kann man sich dann eben abends nicht noch mit Freunden treffen. Die Einschränkung nimmt man dann hin. Auch wenn man die ab und an mal brechen muss (lacht).

Du gehörst zu den Athleten, die dieses Jahr schon einen Wettkampf absolvieren konnten. Der Ironman 70.3 Dubai lief dabei nicht wie geplant.

Ich wäre gerne weiter vorne gelandet, das ist richtig. Der Wettkampf war sehr früh in der Saison und ich war sehr skeptisch, ob es Sinn macht, so früh im Jahr ein Rennen zu bestreiten. Jetzt bin ich – unabhängig vom Ergebnis – sehr froh, es gemacht zu haben, weil nicht abzusehen ist, wann wieder Rennen stattfinden.

Wann hast du die Mitteldistanz für dich entdeckt?

Ich habe früh gemerkt, dass sie mir liegt. 2016 habe ich es das erste Mal probiert und das Rennen in Bonn dann gleich gewonnen. Der Wettkampf hat gezeigt, dass ich es kann und dann habe ich die Entscheidung getroffen, mich Richtung Mittel- und Langdistanz zu orientieren. Für mich ist es auf den kürzeren Distanzen nicht möglich, so weit vorne zu landen.

Warum?

Dafür bin ich im Schwimmen nicht schnell genug. Beim Laufen ist es für mich auch schwer, die Zeiten zu laufen, die ich laufen müsste, um vorne mitzuhalten. Ich bin der Meinung, dass eine leistungssportliche Karriere auf der Mitteldistanz auch besser mit meinem Studium zu vereinbaren ist, als eine leistungssportliche Karriere auf der Sprintdistanz. Wir (er und sein Trainer Ralf Kleemann, Anm. d. Red.) haben ein Trainingsprinzip gefunden, das sehr gut auf mich passt und sehr gut mit der Uni zu kombinieren ist.

Was ist das für ein Trainingsprinzip?

Ein 3:1:2:1-System für die Woche. Ich trainiere drei Tage intensiv, dann einen Tag locker, dann wieder zwei Tage intensiv, dann wieder einen Tag locker. Dadurch weiß ich genau, welche Tage intensiv werden und welche nicht - und kann somit die Uni sehr gut planen. Ich glaube nicht, dass sich dieses Trainingsprinzip auch auf kürzere Distanzen anwenden lässt, weil die Einheiten dann deutlich intensiver sind.

Du würdest dich nach dem Abschluss des Studiums gerne zwei Jahre komplett auf den Leistungssport konzentrieren. Was ist dann möglich?

Ich würde gerne mein Potential ausschöpfen und schauen, was möglich ist, wenn ich mich vom Kopf her komplett auf den Leistungssport fokussiere. Ich kann mir vorstellen, dass ich dann vorne mithalten kann.

Du bist in den vergangenen Jahren regelmäßig in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gestartet. Was haben dir diese Rennen für deine Entwicklung gebracht?

Ich habe erst mit 15 Jahren mit Triathlon begonnen. Es ging dann sehr schnell in den NRW-Kader und dann in die Bundesliga. Da war ich 16 oder 17. Ich habe sehr viel Erfahrung sammeln können, zum Beispiel, wie man sich am Start positionieren muss und wie man sich im Wasser durchsetzt.

Kannst du dich an dein erstes Rennen in der Bundesliga erinnern?

Das muss 2013 in Hannover gewesen sein. Da ich noch sehr neu im Triathlon war, kannte ich die ganzen Profiathleten wie Maik Petzold nicht, die dabei waren. Mein Ergebnis (Rang 58, Anm. d. Red.) war nicht bombastisch. Aber es war eine einmalige Erfahrung, für Münster in der Bundesliga starten zu dürfen.

Das Besondere an den Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga ist für viele Athleten in der Einzelsportart Triathlon der Teamgedanke.

Ich habe vor meiner Zeit als Triathlet die Teamsportarten Handball und Wasserball gemacht. Im Triathlon kam ich dann schnell in den NRW-Kader und bin in der Bundesliga gestartet. Wir haben zusammen trainiert, hatten viel Spaß, es war fast wie in einer Mannschaftssportart. Als ich dann auf die Mitteldistanz gewechselt bin, musste ich lernen, mich mehr auf mich selbst zu konzentrieren, das Beste für mich herauszuholen und mich auf den Ego-Gedanken zu fokussieren.

Wie kommt man vom Wasserball zum Triathlon?

Lange Geschichte (lacht). In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, habe ich Handball und Wasserball in der Jugend gespielt. Die Wasserballmannschaft hat sich nach der Jugend aufgelöst. Im Handball gab es zwar eine Mannschaft im Erwachsenenbereich, aber nur auf Handball wollte ich mich nicht festlegen.

Meine Eltern waren damals schon im Triathlonverein und mein jetziger Trainer hat mich mehr oder weniger überredet, mal einen Triathlon zu machen. Das habe ich dann gemacht und habe sogar einen Podestplatz erreicht. Ralf hat sich dann viel für mich eingesetzt und dazu beigetragen, dass ich in den NRW-Kader gekommen bin. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann unter Gerrit Völker trainiert, der mich nach nur eineinhalb Jahren fit für die Bundesliga gemacht hat.

Lernt man im Wasserball die Fähigkeit, sich durchzusetzen, die man im Schwimmen beim Triathlon braucht?

Man lernt, sich durchzusetzen. Aber mir hat am Anfang im Triathlon die Tempohärte gefehlt, weil man im Wasserball vor allem so trainiert, dass man kurze, schnell Sprints schwimmen, jedoch das Tempo nicht lange halten kann.

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