News: "Wenn ich Gas gebe, habe ich früher Feierabend"

04.02.2020 11:49 von Thorsten Eisenhofer

Jana Richter (Dresdener Spitzen Triathlon-Team) ist im Alter von 42 Jahren in der vergangenen Saison der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gestartet. Sie hat uns verraten, warum sie während der Arbeit auf dem Rad sitzt, ob sie gerne noch einmal 19 wäre, wie ihr Spitzname „Triathlon-Oma“ zustande kam und wie es sich anfühlt, als Letzte aus dem Wasser zu kommen.

Jana, du arbeitest als Fahrradkurier. Wie genau können wir uns den Job vorstellen?

Ich bin mit dem Rad unterwegs. Morgens sammle ich die Post ein. Über die Mittagszeit bin ich im Büro mit den Kollegen und wir sortieren die Post. Nachmittags fahren wir die Post dann wieder aus.

Und umso schneller du bist, desto schneller hast du Feierabend?

(lacht). Ja, wenn ich Gas gebe, was im Sommer aufgrund der Witterungsbedingungen einfacher ist, habe ich früher Feierabend. Im Winter ist es oftmals schwieriger. Wenn Schnee liegt oder Glatteis herrscht, muss man schon ein bisschen langsamer machen.

Wie viele Kilometer fährst du an einem Arbeitstag?

Das ist unterschiedlich. Mal sind es 40, mal 50, mal 60 Kilometer. Je nachdem, wie viel zu tun ist. Donnerstags und freitags ist meistens viel zu tun. Montags ist eher weniger los. Die Arbeit ist quasi mein Training. Ich bin seit 2001 Fahrradkurier. Es ist echt ein toller Job. Ich hoffe, dass ich es noch ein paar Jahre machen kann.

Mit was für einem Rad bist du beim Arbeiten unterwegs?

Mit einem Mountainbike, das einen Gepäckträger hat wegen der Packtaschen. Die brauche ich. Viele meiner Kollegen tragen einen Rucksack. Aber das mag ich nicht so.

Kannst du so richtig Gas geben auf dem Rad?

In der Stadt meistens nicht, weil ich ja oft anhalten muss. Wenn ich nachmittags nach Hause fahre, gebe ich manchmal schon richtig Gas. Ich fahre auch am Wochenende viel Rad. Im Sommer fahren mein Freund und ich oft nach Tschechien, das ist ja nicht weit von uns. Bis Karlsbad etwa sind es gerade mal 80 Kilometer. Es sind landschaftlich sehr schöne Strecken, auf denen wenig Verkehr herrscht. Da ist ein Wochenende oftmals wie ein kleiner Urlaub.

Nehmt ihr in den „richtigen“ Urlaub dann auch das Rad mit?

Ja, im vergangenen Jahr waren wir drei Wochen in Griechenland und Albanien. Vor allem Albanien hat mir sehr gut gefallen. Die Menschen dort sind sehr einfach, aber sehr nett. Und landschaftlich ist es einfach schön. Wir waren mit dem Rad auch schon in Italien, auf Sizilien, Sardinien und Korsika oder in Kroatien. Uns zieht es immer dahin, wo es warm ist.

Du bist im vergangenen Jahr beim Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Tübingen gestartet, obwohl du 42 Jahre alt bist. Wie war es für dich?

Ich habe mich gefreut und war extrem aufgeregt. Ich bin immer vor Wettkämpfen sehr nervös. Aber diesmal war es schon extrem. Es waren in Tübingen fünf Radrunden. Damit war die Gefahr, überrundet und aus dem Rennen genommen zu werden, natürlich sehr groß für mich als schwache Schwimmerin. Im Wasser bin ich echt zu schlecht für die Liga. Und aus dem Rennen genommen zu werden, das wollte ich echt nicht. Ein zweites Ziel war es, nicht Letzte zu werden. Auch das habe ich geschafft.

Obwohl du als Letzte aus dem Wasser kamst.

Im Schwimmen ist es schon sehr deprimierend. Ich versuche dran zu bleiben, aber die Schwimmen halt einfach weg. Aber die Zuschauer haben mich dann super angefeuert. Daniel Unger (der das Rennen zusammen mit Hartwig Thöne moderierte, Anm. d. Red.) hat dann gesagt, die Letzte wird genauso laut angefeuert wie die Erste. Das Publikum war dann auch richtig laut. Ich hatte eine Gänsehaut und es hat mich sehr motiviert.

Mit 42 Jahren ist es auch schwer gegen die vielen jungen Athletinnen, von denen viele deine Töchter sein könnten.

Mit Sicherheit. Es motiviert mich aber, gegen die jungen Sportlerinnen anzutreten. In der Regionalliga und in der Zweiten Liga sind die Athletinnen ja nicht ganz so stark. Da schaffe ich es im Rennverlauf, viele zu überholen. Das macht natürlich Spaß. Ich hoffe immer, nicht so alt auszusehen neben den Jungen. Aber ich glaube, ich falle gar nicht so auf.

Du bezeichnest dich selbst als Triathlon-Oma.

Ja, den Begriff habe ich selbst geprägt, weil die anderen Mädels alle so jung sind. Es gibt ja gar nicht so viele Ältere in der Bundesliga.

Warum nicht?

Weil sie keine Chance gegen die Nachwuchsathletinnen haben und nicht Letzte werden wollen. In einem stärken Team mit einem breiteren Kader würde ich ja auch nicht zum Einsatz kommen. In Buschhütten hätte ich nie eine Chance. Der Unterschied zwischen der Zweiten Liga und der Bundesliga ist immens. In der Zweiten Liga bin ich 2018 einmal Sechste und einmal Siebte gewesen.

Wärst du gerne noch mal 18, 19 Jahre, wie viele der Athletinnen, die in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga starten?

Naja, wer ist nicht gerne noch mal jünger? In Bezug auf Triathlon müsste ich dann aber von klein auf Schwimmen leistungsmäßig trainieren. Ansonsten hat man da keine Chance, mitzuhalten. Aber es ist gut so, wie es ist. Ich wollte jetzt nicht unbedingt tauschen. Ich hatte auch so eine schöne Zeit. Ich war 1999 beim ersten Pöhler Triathlon am Start, war bei 19 von 20 Austragungen dabei, habe 16 Mal die Gesamtwertung der Frauen gewonnen. Das ist eine ganz gute Quote (lacht).

Was hat es dir bedeutet, ein Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga absolvieren zu können?

Es war eine tolle Erfahrung, ein tolles Flair. Der blaue Teppich, die Radständer, so etwas sieht man ansonsten nur bei Olympia im Fernsehen. Es ist cool, das mal live mitzubekommen, gegen Profis anzutreten, die sich beim Einchecken neben einem auf Englisch unterhalten.

Gibt es für dich persönlich eine Altersgrenze für Starts in der Bundesliga?

Nein, in der Regionalliga kann ich sicherlich noch ein paar Jahre starten. Da sind einige in meinem Alter dabei – oder sogar noch ältere. Ich fand es toll, in der Bundesliga zu starten. Es war mein Ziel, schließlich habe ich meinen Teil zum Aufstieg beigetragen. Ich würde auch gerne 2020 noch mal starten. Aber vermutlich nur, wenn wir Besetzungsprobleme haben.

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