News: "Braucht keinen Platten eines Buschütteners mehr für einen Sieg"

11.02.2020 08:17 von Thorsten Eisenhofer

Teammanager Micha Zimmer will mit dem HYLO Team Saar, wie die Bundesligamannschaft aus dem Saarland ab diesem Jahr heißt, in diesem Jahr wieder auf das Podium in der Gesamtwertung der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga. Im Interview erklärt Zimmer, warum er sich auch mal über Erfolge von Gegnern freut, erzählt, warum man keinen Platten eines Buschütteners mehr braucht, um ein Rennen zu gewinnen und spricht über nächtliches Schwimmen im Neckar.

Warum sind die Bundesligarennen für die Athleten etwas Besonderes?

Die Jungs starten gegeneinander, gegen die Sportler der anderen Mannschaften. Aber trotzdem geht es nur um die Teamplatzierungen. Wenn einer ein schlechtes Rennen macht, aber die anderen vier Athleten gut performen und wir auf dem Podium landen, steigt derjenige nicht mit schlechter Laune ins Auto. Der Zusammenhalt ist groß, die Athleten haben Spaß, freuen sich auf Rennen, bei denen sie mal nicht den Druck haben, Preisgelder oder Qualifikationen zu erreichen – wie bei den internationalen Wettkämpfen. Sie sind ein Wochenende mit Freunden unterwegs, haben Spaß und machen das, was sie alle lieben: Triathlon.

Es sind also tolle Wochenenden?

Es geht an den Wochenenden immer sehr fair und familiär zu - über das eigene Team hinaus. Natürlich geht es um den Sieg und um gute Platzierungen und natürlich gibt es Konkurrenz untereinander. Aber es ist eine gesunde Konkurrenz, jeder gönnt dem anderen etwas. Als das Triathlon Team DSW Darmstadt in Tübingen Zweiter wurde, hat sich jeder mit der Mannschaft mitgefreut. Ich bin noch nie von einem Bundesliga-Wochenende zurückgekommen, das ich schrecklich fand.

Nicht mal das Wochenende im Vorjahr in Düsseldorf, als ihr „nur“ Rang neun belegt habt?

Nicht mal das.

Vier Wochen später in Tübingen hattest du ja dann nicht nur aufgrund des dritten Rangs in der Teamwertung mehr Spaß.

Da sind Thomas Pignede (Teammanager des Triathlon Teams DSW Darmstadt, Anm. d. Red.) und ich morgens um zwei Uhr in den Neckar gesprungen und die Schwimmstrecke abgeschwommen. Eventuell wurde vorher nicht nur Bitburger 0,0% getrunken (lacht). Ein Bundesligawochenende ist immer das Zusammentreffen mit Freunden, auf das ich mich stets freue. Man ist anschließend immer müde und platt, hat aber tolle Momente erlebt.

2019 hattet ihr in der Breite einen sehr dünnen Kader. Für 2020 habt ihr Chris Ziehmer und Nick Ziegler verpflichtet, die schon seit Jahren am Stützpunkt in Saarbrücken trainieren.

Das Ziel ist es, langfristig die jungen Athleten im Bundesligateam zu haben, die bei uns am Stützpunkt in Saarbrücken ausgebildet wurden und einen Bezug zu Saarbrücken haben. Das Niveau unseres Teams ist sehr hoch. Es ist für junge Athleten nicht einfach, dort direkt reinzukommen, wie es etwa Tim Hellwig geschafft hat. Daher ist es für junge Athleten oftmals besser, zu Teams zu wechseln, bei denen sie eine Startsicherheit haben.

Ziehmer und Ziegler sind nun drei Jahre für das Team Nikar Heidelberg aktiv gewesen.

Dort konnten sie öfter starten. Wir hätten ihnen vielleicht nur einen Start in der Saison garantieren können. Toll ist es natürlich, wenn die Athleten sich dann positiv entwickeln und zu uns zurückkommen wollen, wie das nun bei Chris und Nick geschehen ist. Wir sind eines der wenigen Teams, das auf Verbandsebene Leute am Stützpunkt hat. Es ist schön, wenn das, was man an Zeit in die Jungs investiert hat, durch deren Start für uns in der Bundesliga zurückbekommt. Das war ja auch die Idee des Teams bei der Grünung.

Ihr seid also besser aufgestellt als 2019.

Paul Weindl ist wieder fit, der sich vergangene Saison im Kraichgau den Arm gebrochen hat. Max Schwetz hat seine internationale Karriere beendet, er bleibt aber als Ersatzmann Teil des Teams. Mit den beiden Verstärkungen sind wir in der Breite und in der Spitze sehr gut aufgestellt. Klar ist natürlich, dass wir mit Valentin Wernz, Tim Hellwig und Jonas Breinlinger drei Athleten haben, deren Fokus erst einmal der Olympia-Qualifikation gilt.

Vergangenes Jahr musstest du in Düsseldorf starten, weil ihr ansonsten nur drei Athleten gehabt hättet. Droht dir das dieses Jahr wieder?

Ich hoffe, ich muss nicht an den Start gehen (lacht). Ich würde sagen, dass ich mir zu 90 Prozent sicher bin, nicht aushelfen zu müssen.

Wie sicher warst du dir im Vorjahr?

(lacht) Da waren es 70 Prozent. Man sollte auf jeden Fall niemals nie sagen. Ich habe zur Sicherheit auf jeden Fall mein Startrecht beantragt. Ich bin sehr optimistisch, dass wir diese Saison immer mit fünf Athleten an der Startlinie stehen. Und zwar nicht nur mit fünf Athleten, sondern jeweils auch mit einer schlagkräftigen Mannschaft.

Das klingt, als richtet ihr den Blick in der Tabelle nach oben.

Wir waren in der vergangenen Saison Dritter im Gesamtklassement. Das Ziel ist es, wieder auf das Podium zu kommen. Diesmal jedoch hoffentlich auf Rang zwei. Toll wäre es, wenn uns ein Tagessieg gelingt. Potsdam hat es im vergangenen Jahr vorgemacht und wir wissen von 2018 auch, wie das geht (Das Team Saar gewann in Düsseldorf, Anm. d. Red.). Wir sind selbstbewusst genug dafür. Jeder weiß, dass das möglich ist. In Berlin war es am Ende der vergangenen Saison schon sehr knapp (Buschhütten siegte mit Platzziffer 26 vor dem Team Saar mit Platzziffer 29). Wir kommen immer näher. Das Team wird immer jünger. Andere Mannschaften werden währenddessen vielleicht älter.

Wie groß ist die Motivation auf einen Tagessieg?

Dieser Hunger, ein Bundesligarennen zu gewinnen, ist größer als in den Jahren zuvor. Bei uns am Stützpunkt in Saarbrücken trainieren nicht nur Jungs aus unserem Team, sondern auch aus Darmstadt oder Buschhütten. Die sticheln sich natürlich gegenseitig, schaukeln sich vor den Rennen hoch. Alle sind heiß darauf, zu gewinnen. Meine Jungs wissen, dass man keinen Platten eines Buschütteners mehr braucht, um ein Rennen zu gewinnen – wie das vielleicht vor fünf Jahren noch war. Mittlerweile haben wir an einem guten Tag realistische Chancen auf den Tagessieg.

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