News: "An meiner Uni in der USA gibt es zum Glück nicht nur Pommes und Hamburger"

18.02.2020 10:09 von Thorsten Eisenhofer

Kathrin Halter studiert in der Nähe von Tampa in Florida (USA), bestreitet ihre Triathlonwettkämpfe in Deutschland, in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga für das Sigma Sport Team Viernheim. Im Interview haben wir mit ihr über Vorzüge eines Studiums in den USA, gesundes Essen in den USA und den Traum einer Top-20-Platzierung in der Bundesliga gesprochen.

Kathrin, bei mir in Deutschland ist es gerade Nachmittag, bei dir in den USA demnach Morgen. Also erst einmal: Guten Morgen. Konntest du heute ausschlafen oder stand schon ein Training auf dem Programm?

Mittwochs (Der Tag des Telefonates, Anm. d. Red.) darf ich immer ausschlafen. Ansonsten haben wir zum Teil schon um 5.45 Uhr Training, wenn Intervallläufe anstehen. Es hängt auch von den Außentemperaturen ab. Im Winter ist es hier ganz angenehm mit 20 Grad Celcius. Im Sommer jedoch schon sehr, sehr heiß. Da muss man eigentlich morgens laufen gehen.

Du machst deinen Master in BWL in den USA, hast aber im Sommer Zeit, Triathlons in Deutschland zu absolvieren.

Genau, das Semester ist hier Ende April fertig. Dann habe ich bis Mitte August Semesterferien. In der Zeit bin ich dann in Deutschland und kann die Rennen absolvieren. 2019 konnte ich so auch regelmäßig in der Bundesliga starten. Dieses Jahr wird es schwieriger, da zwei Wettbewerbe erst Ende August beziehungsweise Mitte September stattfinden.

Warum hast du dich entschieden, für den Master in die USA zu gehen?

Ich habe meinen Bachelor in Deutschland über ein duales Studium gemacht, also drei Monate studiert, drei Monate gearbeitet. Das war schon sehr stressig. Daher war mir klar, den Master mache ich nicht dual. Freunde haben mir dann geraten, in die USA zu gehen. Ich dachte nicht, dass ich dort so einfach einen Studienplatz bekomme. Aber das hat erstaunlich gut geklappt. Ich habe zum Glück ein Laufstipendium bekommen, da Studieren in den USA ja sehr teuer ist. Es war mir wichtig, eine gute Trainingsgruppe zu haben, da Laufen im Triathlon meine schwächste Disziplin ist und ich mich daher in dieser Disziplin verbessern möchte. Ich war dann am Anfang in Oklahoma an einer Universität. Dort war die Trainingsgruppe nicht so, wie erhofft. Hier in Florida ist es für mich jetzt richtig geil, zu trainieren.

Die beiden anderen Disziplinen kannst du auch gut trainieren?

Wir haben hier auch ein Schwimmteam, bei dem ich regelmäßig mittrainiere. Da sind echt ein paar schnelle Athleten dabei, zum Beispiel amerikanische Meister, aber bei den Langsameren kann ich ganz gut mithalten. Hier sind auch ein paar andere Triathleten, mit denen ich regelmäßig Rad fahre. Die Region ist ganz gut dafür geeignet, Nils Frommhold (Sieger der Challenge Roth 2015, Anm. d. Red.) hat im Vorjahr nur eine Stunde von hier entfernt trainiert.

Unterscheidet sich dein Leben nun sehr gegenüber dem zuvor in Deutschland?

Hier dreht sich alles um Sport. Wir trainieren morgens, gehen dann ein bisschen studieren und anschließend folgt die zweite Einheit. In Deutschland ist es schwierig, das Studium mit dem Sport zu verbinden. In Deutschland bin ich Student - und auch noch Athlet. Das ist hier ganz anders, da hast du einen ganz anderen Status als Athlet. Wenn du hier mal unter der Woche fehlst, weil du einen Wettkampf hast, dann heißt es: Viel Erfolg. Und du bekommst vorher gesagt, welche Themen du verpassen wirst. Dir wird also aktiv geholfen. Fehlen wegen eines Wettkampfes wird hier als etwas Positives angesehen.

Was vermisst du?

Meine Familie, meinen Freund und das deutsche Essen.

Ist es schwierig, sich als Sportlerin in den USA gesund zu ernähren?

Da hier viele Athleten an der Uni sind, gibt es jeden Tag nicht nur Pommes und Hamburger, sondern auch Nudeln, Reis und Gemüse. Aber das ist auch von Universität zu Universität unterschiedlich. An der Uni, an der sich zu Beginn war, gab es nicht immer gesundes Essen.

Dein Studium wirst du Ende des Jahres abschließen. Wirst du dann nach Deutschland zurückkommen?

Ich will dann noch ein bisschen durch die USA reisen. Aber langfristig habe ich vor, nach Deutschland zurückzukehren. Ich freue mich einfach auf Deutschland. Ich fühle mich hier wohl, aber ich kann mir nicht vorstellen, hier für immer zu bleiben.

2019 habt ihr überraschend Rang sechs in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga belegt. 2019 lief es dann – erwartungsgemäß – nicht ganz so gut.

Wir hatten auch viel Pech mit Verletzungen. So mussten die Jüngeren aus dem Team öfter starten, als gedacht. Aber wir haben unser Ziel erreicht, die Klasse mit einer Mannschaft gehalten, die aus Athletinnen aus der Region besteht. Das finde ich echt toll. Als ich über Weihnachten in Deutschland war für vier Wochen, habe ich mit fünf der Mädels aus dem Team trainiert. Das wäre bei anderen Mannschaften nicht möglich gewesen, wenn die Athletinnen aus Spanien oder Neuseeland kommen.

Du hast mehrfach Platzierungen zwischen Rang 20 und 30 in der Einzelwertung eines Bundesligarennens erreicht. Ist eine Top-20-Position ein Traum?

Es ist ein Traum, auch wenn es immer schwieriger wird, diesen zu realisieren, weil das Niveau der Bundesliga immer höher wird. Ein Blick in die Ergebnisse zeigt, dass oftmals wenige Sekunden zehn Plätze ausmachen. Ich bin oftmals nahe dran, es fehlt immer nur ein bisschen. An einem guten Tag mit einem guten Schwimmen ist das möglich.

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