News: Till Kramp: "Bin ein Pokerface, aber in Saarbrücken war ich echt nervös"

03.12.2020 14:50 von Thorsten Eisenhofer

Till Kramp (Team Berlin) hat uns im Interview nach seinem ersten Jahr in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga verraten, was hinter seinem Pokerface steckt, warum der Beginn in seine Triathlonkarriere unter schwierigen Bedingungen stattfand und warum er nicht weiß, ob einer seiner großen Träume realistisch ist.

Till, du hast dieses Jahr mit dem dezentralen Swim & Run und dem Wettkampf in Saarbrücken deine ersten beiden Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga absolviert. Wie war diese Erfahrung?

Es ist super cool mit Athleten zu starten, die schon einen großen Namen haben. Da sieht man, wo es im Sport hingehen kann.

Du warst in Saarbrücken zum Beispiel mit Johannes Vogel in einem Lauf.

Das ist ein Name, den man in Triathlondeutschland kennt. Mit so jemanden zu starten, ist für mich eine Ehre.

Wie nervös warst du zuvor?

Ich muss gestehen, dass ich ziemlich nervös war – ähnlich wie vor den beiden Rennen des Junioren-Europacups 2019. Man weiß vorher einfach nicht, was auf einen zukommt. Ich wirke nach außen hin immer sehr cool, bin da ein Pokerface und mache meine Wettkampfroutine. Aber vor den Bundesligarennen sah es in meinem Inneren anders aus. Aber sobald es losgeht, ist die Nervosität verflogen.

Nachdem du nun ein bisschen Bundesliga-Luft geschnuppert hast. Welche Ziele hast du?

Jeder Athlet sagt natürlich gerne: Ich will solch ein Rennen mal gewinnen. Das ist ein langfristiges Ziel. Ich brauche aber noch etwas Zeit, um über solche Ziele nach zu denken. Kurzfristig würde ich gerne eine Top-Ten-Platzierung erreichen.

Das wäre auf jeden Fall ein weiterer Entwicklungsschritt, nachdem es bei dir schon die vergangenen zwei, drei Jahre gut lief.

Da war jeweils ein Leistungssprung zu erkennen, das stimmt.

Hat dich das überrascht?

Zur Saison 2018 hatte ich den Sprung von der Jugend B zur Jugend A und damit von der Supersprint- zur Sprintdistanz. Trotzdem war ich vorne dabei, beim Rennen des DTU-Jugendcups in Goch bin ich zum Beispiel Vierter geworden. Das war schon überraschend. 2019 ging es dann mit dem Titel des Deutschen Duathlonmeisters und Rang drei bei den Deutschen Meisterschaften im Triathlon erfolgreich weiter. Die Erwartungen sind von Jahr zu Jahr gestiegen und es hat zum Glück geklappt, diese auch immer zu erfüllen.

Es gibt junge Athlet*innen, die formulieren relativ deutlich, was sie werden wollen: Profi-Athlet*in. Andere sind da zurückhaltender. Zu welcher Kategorie gehörst du?

Ich bin schon der, der sagt, ich will das professionell machen. Ich bin auf der Sportschule in Neubrandenburg. Mein Tagesablauf richtet sich nach dem Sport. Ich arbeite jeden Tag hart dafür, es zum Profi zu schaffen und nehme dafür einige Entbehrungen in Kauf.

Wie bist du zum Triathlon gekommen?

Mein Papa ist regelmäßig beim Ironman 70.3 Rügen gestartet. Ich war immer bei den Kinderennen dabei. Dann bin ich mal zum Probetraining an den Stützpunkt in Neubrandenburg gegangen.

Und?

Ich habe bis dahin eigentlich noch gar nicht wirklich trainiert, bin nur ab und an laufen gegangen. Aber auch nur drei, vier Kilometer. Erst vor der Probewoche habe ich ein paar Mal mit meinem Papa triathlonspezifisch trainiert. Dementsprechend war es nicht überraschend, dass ich keinen Platz auf der Sportschule bekommen habe.

Keinen Platz, aber eine Vision.

Ja, Ines Estedt (damals Trainerin beim SC Neubrandenburg, Anm. d. Red.) hat mir über ein dreiviertel Jahr Trainingspläne geschrieben. Ich habe mich dadurch stark verbessert und bin dann im Sommer 2016 auf der Sportschule aufgenommen worden.

Wie schwierig war es, das zu schaffen?

Es war ein großer Kontrast zu heute. Ich war auf einer normalen Schule, musste viel alleine trainieren. Es war nicht einfach und ich war froh, als ich dann in Neubrandenburg mittrainieren konnte.

Und einen anderen Verein gab es nicht?

Der nächste Triathlonverein ist in Rostock (Till ist in Stralsund aufgewachsen, Anm. d. Red.), das ist rund eine Stunde mit dem Auto entfernt. Das ist dann doch ein bisschen zu weit, um dort regelmäßig zum Training hinzufahren.

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