News: Berlins Lara Ungewickell: "Mein Papa ist eher der Anti-Schwimmer"

02.04.2020 11:57 von Thorsten Eisenhofer

Lara Ungewickell ist die Leistungsträgerin der Frauenmannschaft des TuS Neukölln in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga. Sie hat uns verraten, wie sie mit Druck klarkommt, warum ihr Vater nicht so gerne bei Triathlons startet und warum es in Berlin eine Triathlon-Staffel gibt, die wirkt, als sei sie extra für die Ungewickells erfunden worden.

Lara, deine Eltern machen auch Triathlon.

Das finde ich echt cool. Triathlon ist unser Familiensport. Wir können häufig mal zusammen trainieren, gerade auf dem Rad. Das ist vor allem in einer Situation, wie wir sie gerade durch das Coronavirus in Deutschland haben, echt toll. So muss ich nicht die ganze Zeit alleine trainieren.

Deine Mama startet regelmäßig bei Triathlons. Wie ist es bei deinem Papa?

Er macht eher Duathlons. Schwimmen ist nicht so seins.

Und ihr habt es noch nicht geschafft, ihn zum Schwimmer zu machen?

Nein, davon ist er nicht so begeistert. Er ist eher der Anti-Schwimmer (lacht).

Seid ihr als Familie schon mal zusammen in einer Staffel angetreten?

In Berlin gibt es im Mai einen Staffeltriathlon. Man tritt zu dritt an. Zwei Athleten schwimmen nacheinander 500 Meter, die Zeiten werden addiert. Dann absolviert man das Radfahren und das Laufen gemeinsam.

Man könnte sagen, ein Staffeltriathlon, wie für euch gemacht.

(lacht) Ja, das passt für uns ganz gut, weil Papa nicht schwimmen muss.

Deine Mutter und du, ihr seid schon zusammen bei Wettkämpfen gestartet, wie beispielsweise bei der Aquathlon-EM 2018.

Es ist toll, dass man sich gegenseitig unterstützen kann. Ich kannte bei der EM zum Beispiel niemanden aus dem deutschen Team. Da war es schon toll, dass meine Mama dabei war.

Ihr habt dann mit Rang vier sogar die gleiche Platzierung erreicht.

Ja, das kann dann auch mal passieren (lacht). Ich habe mich über den vierten Rang aber nicht geärgert, auch wenn der vierte Platz oft undankbar ist. Der Abstand zur Drittplatzierten war einfach sehr groß.

2019 war für dich eines der Highlights das Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Berlin. Es war zugleich dein Heimrennen.

Das war für mich schon eine coole Erfahrung. Es lief dann ja auch ganz gut beim Schwimmen und ich habe eine gute Radgruppe erwischt.

Dann passierte ein Sturz. Wie sehr hat dich das geärgert?

Es war schon schade, weil ich mich natürlich sehr auf das Rennen gefreut hatte. Ich hatte zum Glück keine schwerwiegenderen Blessuren. Ich bin dann an dem Wochenende rund und die Wettkämpfe noch vielen Leute begegnet, die mich kennen. Zum einen freut man sich natürlich, dass die alle mit einem mitgefühlt haben. Zum anderen war es schon irgendwann echt nervig, immer wieder auf den Sturz angesprochen zu werden. So war es natürlich schwierig, mal nicht daran zu denken.

Vor Berlin fanden drei weitere Bundesliga-Rennen statt. Wie ordnest du deine Leistungen ein?

Es war schade, dass ich zum Schluss in Berlin gestürzt bin, weil ich eine ganz gute Ausgangsposition hatte. Mit dem 14. Rang im Kraichgau war ich schon sehr zufrieden. Das war meine beste Platzierung in der Bundesliga 2019, auch wenn diese nicht ganz so gut war wie meine beste Platzierung 2018.

2018 bist du im Kraichgau Neunte geworden. Hofft man dann insgeheim darauf, sich zu steigern?

Natürlich. Wenn alles gut läuft, ist so etwas ja auch möglich. Das Ziel ist ja immer, sich zu verbessern. Und sei es nur um einen Rang. Ich probiere trotzdem, mir in solchen Situationen keinen Druck zu machen.

Nimmst du Druck als positiv oder als negativ wahr?

Ich komme mit Druck ganz gut klar. Aber ich brauche keinen Druck, um gute Leistungen zu erzielen. In Bundesligarennen ist natürlich immer ein bisschen Druck da. Man möchte jedoch auch eine gute Leistung bringen. Nicht nur für die Mannschaft, auch für sich.

Apropos Mannschaft. Mit der Mannschaft habt ihr in der Gesamtwertung der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga 2018 überraschend Rang fünf belegt. Es war zu erwarten, dass ihr dieses Ergebnis 2019 nicht erreicht. Wie zufrieden seid ihr mit Platz zehn?

Wir haben nicht erwartet, den fünften Platz aus der Saison davor zu wiederholen. Damals ist alles super gelaufen, wir hatten mit Marie Horn noch eine junge Athletin im Team, die gute Einzelplatzierungen erreicht hat. Natürlich hätten wir gerne einen siebten, achten oder neunten Platz belegt. Das wäre ohne meinen Sturz und die Disqualifikation von Juliette Gogoll in Berlin vielleicht auch möglich gewesen. Aber die Gesamtentwicklung ist ja positiv. 2017 kämpften wir gegen den Abstieg. Damit hatten wir in den vergangenen beiden Jahren nichts zu tun.

Wie zufrieden bist du generell mit deiner Saison 2019?

Ich bin ganz zufrieden, auch wenn ich schon sagen muss, dass 2018 noch ein bisschen besser war. Im Vorjahr waren der 14. Platz beim Bundesligarennen im Kraichgau, der zweite Rang beim DTU-Jugendcup in Jena und das Junioren-Rennen bei der Super League auf Jersey meine Höhepunkte. Die Qualifikation für den Nachwuchskader 1 habe ich leider ganz knapp verpasst. Darüber bin ich natürlich enttäuscht. Aber daraus ziehe ich auch die Motivation, noch besser zu werden.

Wie hast du das Super League-Rennen erlebt?

Es war ein schon tolles Erlebnis, auch wenn das Wetter nicht so toll war mit Regen und starkem Wind. Die Atmosphäre war krass, vor allem bei dem Rennen der Elite. Bei Bundesligarennen sind ja schon immer einige internationale Topstars dabei. Aber bei solch einem Wettkampf der Super League sind es noch mal mehr. Das hatte ich so noch nicht erlebt. Man fiebert dann mit und feuert an, schaut aber natürlich auch, ob man noch etwas von den Stars lernen kann.

Hast du etwas lernen können?

Bei dem Rennen der Elite ist wegen der schlechten Witterungsbedingungen das Radfahren weggefallen. Die Athleten sind also im Wechsel nur geschwommen und gelaufen. Ich fand es interessant, dass sie zum Laufen die Badekappe auf dem Kopf gelassen haben. Ich weiß nicht, ob ich das auch so gemacht hätte. Aber jetzt würde ich es wohl so machen.

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