News: "Früher habe ich Ausdauersport überhaupt nicht gemocht"

10.09.2020 13:52 von Thorsten Eisenhofer

Jana Uderstadt (Triathlon Team DSW Darmstadt) hat auf der Mitteldistanz schon zwei Altersklassen-Europameistertitel gewonnen, startet aber auch sehr gerne in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga – so auch am Samstag in Saarbrücken. Wir haben uns vor dem dritten Saisonwettkampf mit ihr über den Weg vom Pferd aufs Rad, den Aufgeben-Gedanken in ihrem ersten Bundesligarennen und Schockmomente in der Wechselzone unterhalten.

Jana, dein Weg in den Triathlon ist eher ungewöhnlich.

Ich habe früher Ausdauersport überhaupt nicht gemocht. Meine große Liebe in der Jugend galt dem Reiten, ich hatte ein eigenes Pferd, war dadurch komplett ausgelastet.

Dann kam der Tag, der alles veränderte.

Ein Freund hat mich mit zum Radfahren mitgenommen. Ich bin damals auf einem geliehenen Rennrad mit Rahmengröße 54, und das mit 1,66 Meter Körpergröße, gefahren. Es hat trotzdem riesen Spaß gemacht und ich habe gleich beim ersten Mal die Liebe zum Radfahren entdeckt. Über eine Gruppe bin ich dann zum Laufen und Schwimmen gekommen und habe schnell 20 Stunden die Woche trainiert.

Also ging’s von 20 Stunden Reiten zu 20 Stunden Triathlon-Training.

So kann man das sagen. Ich habe schon immer viel Sport gemacht, aber es war natürlich schon etwas ganz anderes.

Die Fortschritte waren groß.

Anfangs geht es immer schnell bergauf. Und dann sind wir mit dem ROWE Team innerhalb von zwei Jahren zweimal aufgestiegen. Und waren plötzlich in der Bundesliga.

Kommt dir das alles unwirklich vor im Rückblick?

Das nicht. Aber es ging schon alles sehr schnell, vor allem die Verbesserungen am Anfang. Und dadurch ist man dann natürlich sehr motiviert, weiterzumachen.

Welche Bedeutung haben die Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga für dich?

Das Teamgefühl ist mir total wichtig, ich starte sehr gerne mit den Mädels. Die Rennen sind für mich immer sehr hart, weil mir die Wettkämpfe auf den Unterdistanzen immer sehr schwer fallen. Aber ich weiß auch, dass ich durch die Rennen sehr viel lernen kann. Und das hilft mir dann wiederum auf den langen Distanzen.

Dein erstes Bundesligarennen war 2016 im Kraichgau.

Es war eine harte Schule (lach). Ich habe den Waschmaschinen-Effekt so richtig durchlitten, bin als Vorletzte aus dem Wasser gekommen. Ich hätte am liebsten sofort aufgehört (lacht). Als ich gesehen habe, dass nur noch zwei Räder in der Wechselzone standen, war das schon ein kurzer Schockmoment für mich. Ich habe dann auf dem Rad zum Glück schnell eine Gruppe eingeholt und es am Ende sogar bis in die dritte Radgruppe geschafft.

Die Erlebnisse scheinen dich nicht abgeschreckt zu haben.

Ich habe schnell gemerkt, dass ich in den Bundesligarennen sehr viel lernen kann. Bundesligarennen machen mir einfach riesen Spaß und sind eine super Schule.

Wie gehst du damit um, dass du in den Mitteldistanzrennen vorne dabei bist, in der Bundesliga eher im hinteren Drittel das Ziel erreichst?

Ich weiß das ja schon vor dem Rennen und habe daher damit kein Problem damit. Ich gehe in die Rennen, um zu lernen und um Wettkampferfahrung zu sammeln. Ich weiß, dass ich nicht vorne dabei sein werde.

Hast du trotzdem manchmal die Hoffnung, dass eine gute Platzierung rausspringt?

In der Bundesliga sind so viele schnelle Athletinnen dabei. Ich weiß, dass ich da nicht vorne dabei sein kann. Daher nehme ich mir auch nie eine Platzierung vor, sondern setze mir immer zum Ziel, aus meiner Sicht ein gutes Rennen abzuliefern.

Auf den längeren Distanzen gehst du mit ganz anderen Zielen an den Start.

Ich, will es bei größeren Mitteldistanzrennen aufs Podium schaffen. Und natürlich will ich auf die Langdistanz und irgendwann in Hawaii vorne mit dabei sein.

Hast du dafür einen Zeitplan?

Nein. Es hängt auch davon ab, wann ich darf, also mein Trainer glaubt, dass ich dafür bereit bin.

Wie groß ist die Ungeduld?

Schon sehr groß. Ich habe große Lust darauf. Ich weiß aber auch, dass ich mich auf den Unterdistanzen noch verbessern kann und muss – und dass das in den jungen Jahren am einfachsten ist. Deshalb muss ich mich noch etwas in Geduld üben (lacht).

Zuvor steht auf jeden Fall das Rennen am Samstag in Saarbrücken an.

Ich freue mich echt. Aber es ist natürlich auch viel Unsicherheit da. Wie das vor einem ersten Rennen der Saison nun mal so ist. Man ist sich nicht sicher, was man drauf hat. Aber ich bin dankbar, in diesem verrückten Jahr überhaupt ein Rennen starten zu können und freue mich auf einen coolen Tag mit meinem Team vom DSW Triathlon.

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