News: Felipa Herrmann: "Ich unterschätze mich gerne mal"

01.10.2020 08:59 von Thorsten Eisenhofer

Felipa Herrmann debütierte in Saarbrücken als 15-Jährige in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga – und überraschte mit Rang zehn. Wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen im ersten Rennen mit „den Großen“, den Triathlonbezug ihrer Familie und Selbstunterschätzung gesprochen.

Felipa, bist du nervös?

Ein bisschen.

Das darf man als 15-Jährige auch sein. Ist es dein erstes Interview?

Ich habe mal eines für die lokale Zeitung aus dem Ort, aus dem ich komme, gegeben. Da habe ich ein bisschen über den Sport und mich erzählt. Ein bisschen Erfahrung habe ich also.

Mit der lokalen Zeitung hast du sicherlich auch über deine Triathlon-Anfänge gesprochen. Deinen ersten Triathlon hast du 2011 absolviert, „richtige“ Triathletin bist du allerdings erst seit 2017.

Bis dahin habe ich mich als Mischung aus Schwimmerin und Läuferin gesehen. Mir war klar, dass ich es im Schwimmen nicht in die deutsche Spitze schaffe. Dann ist mir der Sprung in den D-Kader im Triathlon gelungen. Seitdem bin ich eine „richtige“ Triathletin.

Deine Eltern sind auch Triathleten.

Beide haben schon eine Langdistanz gefinisht. Sie machen Triathlon hobbymäßig. Mein Papa war auch schon über 30, als er begonnen hat.

Trainiert ihr ab und zu zusammen?

Ja, mein Papa und ich gehen oft zusammen Rad fahren, wenn ich zuhause bin (Felipa wohnt in Essen im Internat, Anm. d. Red.). Aber hauptsächlich sind sie damit beschäftigt, meinen Bruder, meine Schwester und mich zu unterstützen. Meine Schwester Finja ist gerade auf dem Sprung in den D-Kader in Nordrhein-Westfalen.

Hält dein Papa bei den gemeinsamen Radausfahrten noch mit?

Wenn es bergauf geht, tut er sich schwer. Da hat er zu kämpfen. Aber bergab und im Flachen hängt er mich manchmal auch noch ab.

Beim Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Saarbrücken Mitte September hast du mit Rang zehn überrascht.

Die Platzierung kam für mich total unerwartet. Ich hatte vorher nicht gedacht, dass ich ein Rennen der Triathlon-Bundesliga so weit vorne im Klassement abschließen kann. Ich habe mir vorher keine Gedanken über Platzierungen gemacht. Ich wollte von außen keinenDruck an mich heranlassen und den Wettkampf einfach auf mich zukommen lassen.

Du hast dir vor allem nicht zugetraut, dass du auf dem Rad so stark bist.

Ich unterschätze mich gerne mal. Bisher bin ich auf dem Rad immer nur in Gruppen mitgefahren, habe nie selbst die Initiative gesucht. Nun war ich plötzlich zusammen mit Nora Gmür vorne. Nora hat danach zu mir gesagt, dass ich eine gute Radfahrerin sei. Das hat mir enorm Selbstvertrauen gegeben.

Es war dein erstes Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga. Wie fühlt es sich an, als 15-Jährige in einem Feld mit deutschen und ausländischen Topathleten?

Ich habe mich auf jeden Fall während des Wettbewerbs nicht als das kleine Mädchen gesehen. An so etwas denkt man während des Wettkampfes nicht. Davor und danach habe ich schon gedacht, cool, du startest mit „den Großen“. Plötzlich war ich hier zusammen mit Justus Nieschlag oder Lucy Hall.

Kann man sich von „den Großen“ einiges abschauen?

Ja, die Rennen der Frauen habe ich nicht so mitbekommen, weil ich mich auf meinen Wettkampf vorbereiten und konzentrieren musste. Aber bei den Männern anschließend habe ich mir schon einiges abgeschaut.

Rund eineinhalb Monate vor dem Bundesliga-Rennen in Saarbrücken hast du den dezentralen Swim & Run der Zweiten Liga gewonnen.

Auch das kam überraschend. Ich habe mit einer Platzierung in den Top Ten gerechnet. Aber nicht mit dem Sieg.

Gewonnen hast du auch das Junioren-Rennen bei den Arena Games der Superleague - und damit eine ziemlich gute Saison gehabt.

Ich weiß noch, dass ich es am Anfang der Saison blöd fand, dass so viele Rennen abgesagt werden mussten. Nur habe ich bei drei Wettkämpfen drei sehr gute Resultate abgeliefert. So ist es noch eine gute Saison geworden.

Zudem hast du einen weiteren Schritt in deiner Entwicklung gemacht.

Ja, das stimmt. Ich versuche, darauf aufzubauen und hoffe, dass es im kommenden Jahr so weiter geht. Ich würde gerne 2021 international starten. Auf jeden Fall bei einem Junioren-Europacup. Und im Optimalfall bei der Junioren-EM.

Zwischenschritte zu deinem großen Ziel.

Ich will irgendwann gerne mal zu den Olympischen Spielen. Aber das ist ein großes Ziel und steht ganz am Ende eines weiten Weges.

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