News: Alex Webb: "Ich dachte, es sei etwas Schlimmes passiert"

27.10.2020 12:10 von Thorsten Eisenhofer

Alex Webb (ProAthletes KTT01) hat dieses Jahr zum ersten Mal in die 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga hineingeschnuppert. Er hat uns erzählt, wie seine Großeltern dank neuer Technik erstmals ein Wettkampf von ihm mitverfolgen konnten, erklärt, wie es ist, zwischen zwei Ländern zu pendeln und verraten, wie es sich anfühlt, wenn die Mutter einen aufgeregt am Strand zu sich winkt.

Alex, wie hat es sich angefühlt, erstmals in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga zu starten?

Ich war sehr stolz, als mich Gerhard (Herrera, Teamleiter des KTT01, Anm. d. Red.) angerufen hat. Das war noch einmal ein richtiger Motivationsboost für das Training. Die Bundesligarennen haben ein extrem hohes Niveau. Der Swim & Run und insbesondere der Wettbewerb in Saarbrücken waren die mit Abstand professionellsten Wettkämpfe, an denen ich teilgenommen habe. Ich fand es toll, dass es einen Livestream aus Saarbrücken gab. Meine Eltern und meine Großeltern konnten so zuschauen. Meine Großeltern, die in Manchester leben, hatten so das erste Mal die Möglichkeit, mich bei einem Triathlonwettkampf zu sehen.

Warst du im Livestream zu sehen?

Ja, meine Großeltern haben mir danach erzählt, dass sie mich beim Schwimmen ein paar Mal gesehen haben und ich einmal im Bild zu sehen war, als ich Lasse Lührs (Sieger des Laufes, Anm. d. Red.) entgegen kam. Das fanden sie natürlich toll.

Deine Großeltern leben in Großbritannien, deine Eltern in Deutschland. Und du pendelst ein bisschen zwischen den Ländern.

Zur Schule bin ich in Deutschland gegangen, ich studiere nun aber in Schottland (wegen der Coronakrise war Alex den Sommer über aber fünf Monate in Deutschland und trainierte beim Schwimmverein Ottobrunn, Anm. d. Red.). Zum Studium nach Schottland zu gehen, war eine schwere Entscheidung. Den Ausschlag gegeben hat die Tatsache, dass ich in der Schule alles auf Englisch gelernt habe (Alex war auf der Europäischen Schule in München, Anm. d. Red.) und es für mich daher nun einfacher ist, auch auf einer englischen Universität zu studieren. Zudem ist Stirling die Nummer eins Sport-Uni 2020 in Großbritannien und ich habe hier ein sehr gutes Triathlonteam (Stirling ist der Stützpunkt des schottischen Triathlonverbandes, Anm. d. Red.).

Fühlst du dich mehr als Brite oder als Deutscher?

Ich bin in München geboren, habe 18 Jahre lang in Deutschland gelebt und bin dort aufgewachsen. Zu Hause haben wir aber immer nur Englisch gesprochen und in der Schule auch. Ich fühle mich beiden Ländern zugeneigt.

Fällt dir der Wechsel zwischen den Sprachen schwer?

Der Wechsel vom Deutschen ist Englische fällt mir nicht schwer, weil Englisch meine Muttersprache ist. Wenn ich lange Zeit in Deutschland bin, spreche ich auch gut deutsch. Schwer fällt es mir nur, wenn ich längere Zeit nur Englisch spreche und dann ins Deutsche wechseln muss, wie zum Beispiel gerade für das Interview.

Schauen wir nochmal auf deine sportliche Karriere. Vor zwei Jahren bist du in der Superleague auf Jersey im Juniorenrennen gestartet. Der Höhepunkt deiner Laufbahn vor dem Wettkampf in Saarbrücken?

Ja, ich würde den Wettbewerb in Saarbrücken ein bisschen höher einschätzen, weil Jersey „nur“ ein Nachwuchsrennen war. Aber es war damals auch ein riesen Moment für mich, mein erster internationaler Wettkampf. Das Coolste war: Wir sind auf der gleichen Strecke wie die Profis, die Helden, gestartet und konnten sie nach unserem Rennen bestaunen.

Du bist in jenem Jahr Vierter bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften geworden. Das hat dir deinen Startplatz für die Superleague eingebracht.

Das habe ich erst später erfahren. Wir waren zu dem Zeitpunkt in Kroatien im Urlaub, ich dachte eigentlich, dass die Saison vorbei ist. Ich war gerade mit meinem Bruder im Meer Ball spielen, als meine Mutter ganz aufgeregt mit beiden Armen winkte. Ich dachte erst, es sei etwas Schlimmes passiert. Ich bin rausgerannt und dann stand sie da mit meinem Handy und meinte sie Steffen Justus (Bundestrainer Sichtung, Anm. d. Red.) sei am Telefon. Steffen hat mich dann gefragt, ob ich in Jersey starten will.

Du hast zugesagt – und damit war der Urlaub vorbei.

Ich habe dann sofort angefangen, zu trainieren. Drei oder vier Tage später sind wir eh abgereist. Aber für so ein Rennen unterbricht man gerne seine Saisonpause.

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