News: Neilan Kempmann: "Finde Meister klingt nicht schlecht, ohne überheblich klingen zu wollen"

10.11.2020 16:07 von Thorsten Eisenhofer

Neilan Kempmann (Triathlon one Witten) ist nach einer längeren Verletzungsphase auf dem Weg zu alter Stärke. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum er ein Meister ist, er hat uns verraten, warum er viel geduldiger als früher ist und erzählt, warum es in den vergangen zwei Jahren nicht so lief wie gewünscht.

Neilan, eine etwas ungewöhnliche Frage zu Beginn. Woher stammt dein Name?

Aus Irland. Meine Eltern wollten einen originellen Namen und waren kreativ. So oft hört man den Namen in Deutschland nicht.

Ihr habt aber keine irischen Vorfahren oder so?

Nein. Aber der Name wird natürlich Englisch ausgesprochen, also das a als e. Das macht vielen Leuten Probleme. Und so gibt es sehr viele unterschiedliche Variationen, die ich von meinem Namen zu hören bekomme. Aber das nehme ich schon gar nicht mehr so wahr.

Übersetzt auf Deutsch heißt Neilan so etwas wie der Meister.

Ja, das habe ich auch schon mal gehört. Ich finde, das klingt nicht schlecht, ohne jetzt überheblich klingen zu wollen (lacht).

Ein Meister bist du ja auch, nämlich der Deutsche Meister der Jugend B von 2016.

Das war toll und das würde ich natürlich gerne wiederholen. Es war ein tolles Jahr, es war nicht so der Druck da und ich wusste, was ich kann. Und ich hatte das Glück, dass es eine Laufentscheidung war.

Wie fühlt sich so ein Sieg an?

Ein Deutscher Meistertitel in der Jugend B ist natürlich das Größte, was man in dieser Altersklasse erreichen kann. Rückblickend ist es aber auch nur ein DM-Titel in der Jugend B und ich würde ihn gerne eintauschen gegen einen Sieg bei den kommenden Deutschen Meisterschaften. Am Wichtigsten ist solch ein Erfolg für den Kopf, weil man weiß, was man kann, weil man weiß, dass man gut ist.

Hast du dir anschließend Druck gemacht, das Ergebnis unbedingt bestätigen zu müssen?

Es ist natürlich hart, wenn man in den kommenden Jahren nicht sein bestes Ergebnis abruft bzw. abrufen kann. Was auch daran lag, dass ich in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren mit einer Verletzung zu kämpfen hatte.

Du hattest Probleme mit einer Wachstumsfuge unter dem Knie.

Ich bin zu schnell zu viel gewachsen, nachdem ich lange Zeit immer kleiner im Vergleich zu meinen Altersgenossen war. Diesen Rückstand habe ich innerhalb von einem Jahr aufgeholt. Das führt natürlich unter den Laufbelastungen eines Trainings unweigerlich zu Problemen. Ich kann immer noch nicht die vollen Laufumfänge trainieren. In einer Belastungswoche sind das bei mir gerade mal 30 Kilometer. Aber so langsam kommt die Leichtigkeit zurück und das Laufen fühlt sich wieder wie Laufen an - und nicht wie Arbeit.

Wie hart war diese Zeit für dich?

Da war viel Geduld gefragt und viel Zuspruch von außen, von meinen Trainern, von meiner Trainingsgruppe und natürlich meiner Familie. Das hilft ungemein. So verliert man den Spaß nicht und es nimmt einem auch den Druck. Das Gute ist: Ich konnte die Zeit sinnvoll nutzen, um mich im Schwimmen und im Radfahren weiter zu verbessern.

Das ist das Glück eines Triathletens …

Das stimmt. Wäre ich reiner Läufer, dann wäre es deutlich härter gewesen.

Du hast mittlerweile auch schon ein paar Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga absolviert. Dein erster Start war dabei recht spontan.

Ich war bis drei Tage vor dem Rennen 2018 in Tübingen in Urlaub. Dann hat mein Teamleiter angerufen und gefragt, ob ich noch einspringen kann. Ich bin im Urlaub nur ein bisschen Rad gefahren. Dafür lief es dann noch ganz okay. Aber ich muss auch sagen, dass für einen Athleten der Jugend A so ein Bundesligarennen da ist, um in Wettkämpfe mit der Elite hineinzuschnuppern und Erfahrung zu sammeln.

Nun bist du dieses Jahr in Saarbrücken 31. geworden.

Das war schon ganz zufriedenstellend. Im kommenden Jahr möchte ich gerne eine Top-20-Platzierung erreichen und vor allem das zeigen, was früher meine Stärke war: das Laufen. Und es macht natürlich Spaß, sich in der Bundesliga mit den „großen Jungs“ zu messen, also den Athleten, die schon bei den ganz großen Rennen dabei waren.

Dorthin willst du vermutlich auch mal.

Natürlich will ich in die Weltspitze und gerne auch zu Olympia. Aber es ist nicht so, dass ich in vier Jahren dort sein muss, ich bin da relativ entspannt. Ich habe gelernt, dass es im Sport auch sehr schnell bergab gehen kann. Früher war ich da ein bisschen hastiger.

Das hat sich vermutlich durch deine Verletzung geändert.

Da war ich gezwungen, das zu lernen. Man nimmt aus solchen Phasen immer etwas mit. Im Leistungssport ist es nun einmal das Wichtigste, Geduld zu haben und auf seine Stärken zu vertrauen.

Es ist aber als junger Athlet vermutlich nicht so einfach, sich das einzugestehen.

Ja, es war meine erste Verletzung. Man lernt dadurch, auf seinen Körper zu hören. Natürlich ist es am Anfang immer wieder so, dass man zu früh wieder beginnen will oder beginnt.

Zurück

Archiv

nach oben