News: Franzi Moll: "Ich musste mich überwinden, an die Startlinie zu gehen"

17.11.2020 08:52 von Thorsten Eisenhofer

Franziska Moll (SC Bayer 05 Uerdingen) konnte krankheitsbedingt in den vergangenen zwei Jahren nur wenige Wettkämpfe bestreiten. Ein Gespräch über die Suche nach den Ursachen, die Phase, in der der Sport an Bedeutung verliert, einen veränderten Blick auf die persönliche Zukunft und ihr Vorbild Laura Philipp.

Franzi, 2018 noch hast du fast alle Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga bestritten. 2019 dann keines. Was war 2019 los?

Ich hatte in allen möglichen Situationen Kreislaufprobleme und bin von Arzt zu Arzt gerannt, in der Hoffnung, dass die herausfinden, woher das kommt. Ich habe immer zu hören bekommen, dass alles okay sei. Ansonsten könne ich ja auch nicht so trainieren. Irgendwann meinte ein Arzt dann, die Probleme seien auf meinen Hormonhaushalt zurückzuführen. Ich solle im Sport erst einmal etwas langsamer machen. Das habe ich dann auch gemacht, gerade was Wettkampfteilnahmen betrifft. Wenn mir im See in einem Rennen schwarz vor Augen geworden wäre, wäre das nicht so vorteilhaft gewesen. Daher habe ich 2019 nur drei kleinere Triathlons absolviert.

Wie hart war diese Zeit für dich?

Es waren ja fast zwei Jahre. Schon 2018 hatte ich die Probleme und konnte einige Rennen nicht beenden. Die Zeit war schwierig. Ich werde mich nun auch erst einmal auf mein Abitur im kommenden Jahr konzentrieren und kann auch damit leben, dass ich mal ein Training ausfallen lasse, wenn ich viel für die Schule tun muss. Das konnte ich früher nicht. Ich versuche nun, alles etwas lockerer zu sehen und mich selbst nicht mehr so unter Druck zu setzen wie früher. Ich war als Schülerin und in der Jugend-Zeit ganz gut und hatte natürlich die entsprechenden Ziele und Ansprüche.

Das ist jetzt nicht mehr so?

Ich weiß noch nicht, was ich nach dem Abitur machen möchte. Meine Sichtweise hat sich geändert. Ich mache Triathlon noch sehr gerne. Ich sehe es aber nicht mehr als die einzige Möglichkeit in meinem Leben.

Wie war das früher?

Vor drei Jahren war mir Triathlon noch endlos wichtig, ich habe alles andere dahinter angestellt. Mittlerweile ist die Schule für mich wichtiger geworden. Aber wenn es nächstes Jahr nach zwei, drei nicht so guten Jahren wieder super laufen sollte, dann ändert sich meine Sichtweise vielleicht auch wieder.

Also lag der Fokus total auf dem Sport?

Ich habe von Olympia geträumt, war ein Jahr im Nachwuchskader II. Meine Ziele waren damals der Bundeskader und die Teilnahme an internationalen Nachwuchsmeisterschaften. Dann kamen die Probleme mit dem Kreislauf. Das hat mich nicht nur sportlich zurückgeworfen, sondern auch meinem Selbstbewusstsein geschadet.

Wie hat sich das geäußert?

Ich musste mich überwinden, an die Startlinie zu gehen. Ich hatte Angst, meine Erwartungen nicht zu erfüllen und schlecht abzuschneiden. Ich habe vor den Wettkämpfen dieses Jahr lange kein Rennen auf einem höheren Niveau gemacht. Ich hatte Angst, dass sich die anderen Athletinnen deutlich weiterentwickelt haben und ich ganz hinten rumturne.

Was dann gar nicht der Fall war.

Das stimmt. Ich bin glücklich und stolz, dass ich mich getraut habe. 2019 beim Jugendcup in Goch habe ich mich nicht getraut, zu starten. Ich habe eingecheckt, mich aufgewärmt, habe dann aber fünf Minuten vor dem Start entschieden, nicht zu starten.

Was hast du dieses Jahr anders gemacht?

Ich habe mich sicherer gefühlt, weil ich mehr trainieren konnte. Bei dem ersten Wettkampf in Rotterdam (beim Junioren-Rennen der Super League, Anm. d. Red.) waren wenige Zuschauer da, ich kannte viele Gegnerinnen nicht. Vielleicht war das ein Vorteil. In der Bundesliga habe ich mit Uerdingen zum Glück ein Team, die sehr viel Verständnis für meine Situation hatten. Bei uns ist der Teamgedanke mindestens ebenso wichtig wie das Ergebnis, gemeinsame Aktionen im Team schweißen uns zusammen.

Was sind das für Aktionen?

Wir verbringen vor der Saison immer ein Teamwochenende zusammen in der Eifel, gehen Rad fahren und laufen und haben natürlich auch lustige Abende (lacht). Wir haben jedes Jahr eine Weihnachtsfeier und auch einen Saisonabschlusstag, an dem wir bislang immer den Klassenverbleib feiern konnten.

Ist es eigentlich hart, jedes Jahr gegen den Abstieg zu kämpfen?

Wir sind kein Team, das vorne dabei ist und es ist uns auch nicht so wichtig, zu gewinnen. Wir freuen uns, dabei zu sein und Erfahrung zu sammeln. Wir übernachten auch nie in Hotels, sondern immer in Ferienwohnungen. So ist es viel persönlicher. Wir kochen zusammen und unterhalten uns, anstatt dass jede auf ihr Einzelzimmer verschwindet. Wir sind alle ziemlich gut miteinander befreundet.

Sorgt Abstiegskampf für Druck?

Wir haben es bisher immer irgendwie hinbekommen. 2019 zum Beispiel hatten wir mit Rang sieben in Tübingen ein richtiges gutes Ergebnis, das uns am Ende den Klassenverbleib gesichert hat. Es wäre nicht schön, abzusteigen. Aber wenn es so kommen sollte, würden wir im Jahr darauf wieder angreifen und wieder aufsteigen.

Dieses Jahr hast du neben dem Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Saarbrücken unter anderem das Junioren-Rennen der Super League in Rotterdam bestritten. Wie war das?

Es war ein tolles Wochenende. Wir haben uns zuvor mit den Profis zusammen die Location angeschaut, das war ziemlich cool für uns alle.

Hast du dir Autogramme geholt?

Einige von uns Nachwuchsathleten haben das gemacht. Ich habe mich das nicht so getraut. Ich wäre mir ansonsten aufdringlich vorgekommen, gerade in Zeiten von Corona.

Hast du eigentlich Vorbilder?

Auf den kurzen Distanzen nicht. Jan Frodeno finde ich gut. Es ist überragend, was er geschafft hat. Und Laura Philipp mag ich.

Frodeno und Philipp sind (mittlerweile) Langdistanzler. Ist die Langdistanz ein Ziel für dich?

Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Ein Wettkampf über acht, neun Stunden ist schon eine Hausnummer. Ich durfte ja altersbedingt noch nicht mal auf der Olympischen Distanz starten. Aber in ein paar Jahren kann ich mir das gutvorstellen, ich bin eher der Ausdauertyp.

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