News: Max Fetzer: "War nie mein Ziel, in der Bundesliga das Streichergebnis zu sein"

19.05.2020 08:29 von Thorsten Eisenhofer

Max Fetzer startet seit 2014 in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga: Erst für Mengen, nun für das Team Nikar Heidelberg. Nach dieser Saison wird er sich aus dem Leistungssport zurückziehen. Wir haben mit Max über tolle Abende in Riga, das Problem der Vereinbarung von Beruf und Leistungssport und ein Jahr, das den Weg vorgezeichnet hat, gesprochen.

Max, deine letzte leistungsorientierte Triathlonsaison läuft. Und keiner weiß, wann wieder Rennen stattfinden werden.

Eigentlich wollte ich die Bundeligasaison noch einmal voll mitnehmen. Ich habe mein Masterstudium beendet und werde ab Herbst beruflich durchstarten. Deshalb wollte ich mich im Sommer noch einmal voll auf den Triathlon konzentrieren. Jetzt trainiere ich eben – das macht mir immer noch Freude – und schaue, was kommt.

Du wirst dich also komplett aus dem leistungsorientierten Sport zurückziehen?

Ich will Triathlon ab Herbst nur noch als Hobby betreiben. Ich habe es nicht vorgesehen, weiterhin in der Bundesliga zu starten. Ich habe es bei zwei Kumpels aus Mengener Zeiten gesehen, dass so etwas früher oder später in die Hose geht, weil die Doppelbelastung mit Spitzenleistungen in Beruf und Sport nicht vereinbar ist. Wenn ich in der Bundesliga starte, dann will ich dort auch das Bestmögliche erreichen.

Eine Rolle als der erfahrene Athlet im Team, der die Jungen an die 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga heranführt, kannst du dir also nicht vorstellen?

Eher nicht. Es war noch nie mein Ziel, in der Bundesliga das Streichergebnis zu sein. Wenn ich weiterhin in einer Ligamannschaft starten sollte, dann werde ich das in Mengen machen, wo meine sportliche Heimat ist und ich mit Freunden in der Landesliga starten kann. Ich muss auch sagen, dass es mich mehr reizt, in der Landesliga vorne mitzumischen, anstatt in der Bundesliga hinten abzusichern. Aber was ich mir vorstellen kann: als Begleitperson zu den Bundesligawettkämpfen mitzufahren, um dem Team mit meiner Erfahrung zu helfen.

Es könnte also sein, dass du der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga erhalten bleibst. Nur eben in anderer Funktion.

Ich war früher in Mengen einer der jüngsten Athleten im Team und habe durch die Älteren einiges gelernt, weil sie mir Tipps gegeben und Tricks beigebracht haben. In Heidelberg sind nun die Rollen umgedreht. Wir sind ein sehr junges Team und ich gehöre zu den Älteren. Da würde ich gerne etwas zurückgeben, wenn die jungen Athleten das möchten.

Deine Karriere, zumindest die leistungssportliche, wird nun nach dieser Saison Enden. Bist du traurig?

Auf jeden Fall. Ich habe den Sport vor allem gemacht, weil er mir so viel Spaß macht. Die Aussicht, dass diese schöne Zeit nun zu Ende geht, ist traurig. Ich habe durch den Leistungssport viel gelernt und viele Freunde gefunden. Das waren wertvolle Erfahrungen für mich, auf persönlicher und zwischenmenschlicher Ebene.

Was nimmst du mit aus dieser Zeit?

Man lernt, durchzuhalten, egal was kommt und schlechte Tage in Kauf zu nehmen. Ohne solche schlechten Tage würde man die guten Tage nicht so feiern. Durch den Triathlon und durch die vielen Reisen habe ich viele Freunde gefunden und interessante Menschen kennengelernt, die aus ihrem Leben und von ihren Erfahrungen erzählt haben. Das hat mir deutlich mehr Perspektiven eröffnet, als wenn ich als Fußballer in meinem Dorfverein geblieben wäre und jede Saison die gleichen fünf Dörfer abgeklappert hätte.

Welche Erinnerungen sind am präsentesten?

Mein erstes Rennen in der Bundesliga 2014 im Kraichgau ist natürlich noch sehr präsent. Es war extrem aufregend, in die Bundesligawelt einzutauchen. Danach haben wir noch bis tief in die Nacht in Karlsruhe, wo ich damals studiert habe, den Einstieg in die Bundesliga gefeiert. Sehr präsent ist mir auch noch ein Europacuprennen in Riga. Das Rennen lief nicht gut. Aber die Zeit dort mit Athleten aus Italien, Frankreich, Spanien und anderen Nationen ist mir noch deutlich positiv in Gedanken. Da gab es ein, zwei Abende mit super interessanten Gesprächen und ich habe gemerkt, dass man nicht immer verbissen sein muss, sondern den ganzen (Triathon-)Zirkus auch genießen kann.

Wirst du Triathlon vermissen?

Ja, ich bin mit dem Sport groß geworden, mache Triathlon seit ich acht Jahre alt bin, leistungsorientiert seit meinem 14. Lebensjahr. Triathlon begleitet mich einen Großteil meines Lebens. Ich bin es gewohnt, morgens erst einmal auf den Trainingsplan zu schauen, das werde ich vermissen. Es wird sein, wie in der Saisonpause: Die ersten Wochen findet man es sehr entspannt, dann setzt das Kribbeln ein – und diesmal wird viel Wehmut dabei sein.

Etwas abzuschließen, ist aber auch der Lauf des Lebens.

Auf jeden Fall. Da muss man ehrlich zu sich selbst sein, deshalb mache ich mir hier wenig vor.

Ärgerst du dich manchmal, dass du nicht noch mehr aus dem Sport herausgeholt hast?

Vor meinem letzten Juniorenjahr habe ich gesagt, ich setze ein Jahr voll auf den Sport und schaue, was passiert. Ich habe ein Freiwilliges Soziales Jahr am Stützpunkt in Freiburg gemacht und mich voll auf den Sport fokussiert. Mein Ziel war die Qualifikation für den Bundeskader. Ich habe dann die Teilnahmen an Junioren-EM und –WM jeweils knapp verpasst. Danach habe ich dann konsequent entschieden, den Fokus auf das Studium zu legen - mit dem umfangreichen Hobby Triathlon.

Hast du die Entscheidung bereut?

Nein. Aber es gibt natürlich Tage, da fragt man sich, was möglich gewesen wäre, wenn man über einen längeren Zeitraum den Fokus auf den Sport gerichtet hätte. Aber wenn man voll auf den Sport setzt, kommen so viele Unwägbarkeiten und Risiken dazu, die man nicht beeinflussen kann. Daher bin ich glücklich mit meiner damaligen Entscheidung.

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