News: Dörte Mönch: "Habe befürchtet, dass die Frage kommt"

03.05.2021 11:35 von Thorsten Eisenhofer

Dörte Mönch (die bis 2020 unter ihrem Mädchennamen Zimmermann startete) vom Team Bad Orb Gesund im Spessart ist eine Späteinsteigerin in den Triathlon, nicht aber in den Leistungssport. Wir haben mit der 31-Jährigen nach ihrem Debüt in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga 2020 über einen klasse Einstand in der Zweiten Liga und einen schlechten Einstand in der Bundesliga, über das Verschieben der Leistungsgrenze und über Fragen, die sie befürchtet hatte, gesprochen.

Dörte, lass uns zu Beginn über das Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Saarbrücken sprechen.

Oh, nein. Ich habe befürchtet, dass die Frage kommt.

Du hast keine besonders guten Erinnerungen an das Rennen.

Ich bin super unzufrieden mit dem Ergebnis (Dörte belegte Rang 49, Anm. d. Red.). Es ist zum ersten Mal in meiner Triathlonkarriere passiert, dass ich solch ein schlechtes Rennen abgeliefert habe. Ich kann mir bis heute nicht erklären, woran es lag. Vermutlich habe ich einen gebrauchten Tag erwischt, der Körper war irgendwie nicht bereit.

Und dann unterläuft dir solch ein Rennen ausgerechnet in einem Jahr, in dem es coronabedingt kaum Wettkämpfe gibt.

Das ist doppelt frustrierend. Die Woche zuvor habe ich bei der Hölle von Q die Mitteldistanz in einem neuen Streckenrekord gewonnen. Die Form stimmte also definitiv, das konnte ich auch schon beim Swim & Run der Bundesliga zeigen.

Du hast erst sehr spät mit Triathlon begonnen.

Mein erstes Rennen war 2014. Ich bin kurz davor aus Australien zurückgekommen, wo ich mit einer Freundin Backpacking gemacht habe. Ich hatte einfach Lust, mal einen Triathlon zu absolvieren und habe es einfach gemacht - ohne wirklich dafür zu trainieren. In den folgenden Jahren lag mein Fokus auf dem Beruf. Daher habe ich Triathlon nur hobbymäßig betrieben. Leistungssport passte nicht in mein Leben.

Das hat sich dann ab 2017 geändert.

Mein Freund (der mittlerweile ihr Mann ist, Anm. d. Red.) hat damals gesagt, lass uns mal an einem Triathloncamp teilnehmen. Dort haben dann alle immer nur über Ironmanwettkämpfe geredet. Bei jedem Abendessen ist man auf diesem Thema zu sprechen gekommen. Ich habe dann bei einem Gewinnspiel mitgemacht, bei dem man einen Startplatz für den Ironman Hamburg 2017 gewinnen konnte. Ich habe mir überhaupt keine Hoffnungen gemacht, aber plötzlich hatte ich den Startplatz gewonnen. Mir blieben noch vier Wochen Vorbereitungszeit auf meine erste Langdistanz.

Du bist Dritte in deiner Altersklasse geworden.

Aber meine Leistung war nicht gut. Ich habe auch gemerkt, dass die Langdistanz nichts für mich ist. Ich möchte nicht im Training vier, fünf oder sechs Stunden auf dem Rad sitzen. Was aber gut war: bei dem Rennen sind die Mädels vom Hannover 96 auf mich aufmerksam geworden. Sie haben mich danach gefragt, ob ich in der Zweiten Liga für sie starten will. Das war der Wendepunkt hin zum Leistungssport.

Es war eine Rückkehr in den Leistungssport.

Ich bin mehrere Jahre leistungsmäßig geschwommen. Ich habe gemerkt, dass mir ein paar Jahre Auszeit vom Leistungssport gut getan haben. Aber 2018 hatte ich dann wieder richtig Lust.

In deiner ersten Zweitliga-Saison bist du dann im Einzel gleich Zweite, Vierte und Fünfte geworden. Hat dich das überrascht?

Ja, ich bin ja vorher noch nie in der Liga gestartet. Vorher habe ich gedacht: Hoffentlich kann ich da mithalten. Das Fahren in der Radgruppe kannte ich zum Beispiel gar nicht. Ich bin eh eine eher ängstliche Radfahrerin und habe immer noch großen Respekt davor, in Gruppen zu fahren.

Beim Schwimmen bin ich anfangs auch ziemlich vermöbelt worden. Ich musste erst lernen, dass man am Anfang lossprinten muss. Das ist eigentlich logisch. Aber wenn man das noch nie gemacht hat, kennt man das Erlebnis nicht.

Hast du in den zwei Jahren, die du für Hannover 96 in der Zweiten Bundesliga gestartet bist, über einen „persönlichen“ Aufstieg in die Bundesliga nachgedacht?

Daran gedacht habe ich schon. Ich weiß allerdings nicht, ob ich das gemacht hätte, wenn ich 2019 nicht nach München gezogen wäre. So war ich gezwungen, mir einen neuen Verein zu suchen. Ich bin froh, in Bad Orb gelandet zu sein, weil wir fast alle letztes Jahr zum ersten Mal in der Bundesliga gestartet sind. Das war dann etwas ganz besonderes als Team.

In Saarbrücken lief es für dich nicht nach Plan. Was traust du dir in einem Bundesliga-Rennen, in dem es für dich besser läuft, zu?

Ich finde die Vorstellung schön, am Ende ins Ziel zu kommen, sagen zu können, dass es gut für mich lief und dabei ein Top-20-Ergebnis erzielt zu haben.

Du bist mit Anfang 30 nun in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga angekommen.

Es gibt zum Glück noch einige Athletinnen, die älter sind (lacht). Für mich ist es ein Ansporn, mich mit jüngeren Athletinnen zu messen und zu zeigen, dass es nie zu spät ist, um an die Leistungsgrenze zu gehen.

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