News: "Vor meinem ersten Rennen war ich so aufgeregt wie noch nie in meinem Leben"

24.03.2020 08:20 von Thorsten Eisenhofer

Simon Nolte ist eines von vielen Eigengewächsen beim SFF Bonn Team artegic, das im Vorjahr Rang 13 in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga belegte. Wir haben mit ihm über das Lernen von Kraulschwimmen mit 15, die Aufregung vor seinem ersten Bundesligarennen und die Angst wegen eines verlorenen Zeitmesschips gesprochen.

Simon, Bonn hat ein besonderes Konzept, was die Bundesligamannschaft betrifft.

Wir kennen uns alle sehr gut und sind fast ausnahmelos aus Bonn. Die meisten von uns kommen aus der Jugend des Vereins. Wir trainieren seit Jahren zusammen. Selbst die auswärtigen Starter, die wir haben, sind den Sommer über in Bonn oder zumindest im Trainingslager dabei. Wir trainieren also jeden Tag zusammen, machen neben dem Triathlon Dinge gemeinsam und gehen in der Saisonpause auch schon mal zusammen feiern.

Euer Weg ist es, dass möglichst viele junge Athleten aus dem Verein den Sprung ins Bundesligateam schaffen.

Das ist auch notwendig für die Zukunft des Teams. In Berlin 2019 sind bei uns zum Beispiel vier Jungs in die Wertung gekommen, die alle schon im Nachwuchs für Bonn gestartet sind. Alle haben sich dann bis in die Bundesliga hochgearbeitet.

Du bist in Bonn auch als Nachwuchstrainer aktiv. Zeigt das auch diese Verbundenheit in eurem Verein?

Auf jeden Fall. Bei uns ist es völlig normal, dass man als Athlet die Vereinsarbeit unterstützt. Das gehört bei uns einfach dazu. Ich habe dann irgendwann einfach gesagt, dass ich eine Gruppe übernehmen möchte. Ich finde es sehr toll, Kinder zu trainieren und viel Spaß mit ihnen zu haben. Das Beste wäre natürlich, wenn sie irgendwann auch mal in der Bundesliga starten.

Exemplarisch für die vielen Bonner Athleten: Wie ist dein Weg in die 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga verlaufen?

Ich habe Fußball gespielt, bis ich 15 Jahre alt war. Dann habe ich in Bonn mit dem Triathlon begonnen. Ich konnte am Anfang keinen Meter Kraul schwimmen. Und es hat auch ziemlich lang gedauert, bis ich vorne mitschwimmen konnte. Ende 2015 bin ich dann in die Bundesliga-Trainingsgruppe im Verein gewechselt.

2017 folgte dann in Münster dein Bundesliga-Debüt.

Das war unser zweites Jahr in der Bundesliga nach dem Aufstieg. Das war schon eine besondere Zeit für die Mannschaft, auch wenn viele von denen, die damals aktiv waren, mittlerweile nicht mehr dabei sind. Ich hatte vor meinem ersten Bundesligarennen gerade einmal drei Starts in der NRW-Liga. Da war die Bundesliga natürlich eine ganz andere Hausnummer. Es ging auch alles schneller als gedacht. Vor meinem ersten Bundesligarennen war ich dann so aufgeregt wie noch nie in meinem Leben.

Wie lief es für dich?

Ich bin 63. geworden. Das war für meine damaligen Fähigkeiten ein super Ergebnis. Ich habe mich persönlich sehr gefreut, wobei das Teamergebnis leider nicht so gut war. Und demensprechend auch die Stimmung mies war (lacht).

Mittlerweile bist du fähig, ganz andere Platzierungen zu erreichen. 2019 warst du in Tübingen 26.

Das würde ich auf jeden Fall gerne wiederholen. Eine Top-20-Platzierung wäre mal toll. Aber das ist natürlich nicht einfach, weil das Niveau der Bundesliga von Jahr zu Jahr besser wird. Jedes Mal denkt man, es wird ein bisschen schwächer werden, weil die Aufsteiger nicht so stark besetzt sind oder die Topteams nicht so starke Akteure einsetzen. Aber dann ist immer das Gegenteil der Fall.

Was wäre dein Traumziel?

Einen wirklichen Traum habe ich nicht. Aber es gibt sicherlich unvorstellbare gute Ergebnisse.

Was wäre für dich ein unvorstellbar gutes Ergebnis?

Mit dem Team einen Platz auf dem Podium zu erreichen. Das wäre die größte Sensation überhaupt. Unsere Frauenmannschaft hat das in der vergangenen Saison ja geschafft (Mit Rang drei in Düsseldorf, Anm. d. Red.). Das war wirklich unglaublich. Für uns ist das jedoch noch viel schwerer. Aber vielleicht gelingt es uns ja mal. Das wäre einzigartig.

Ihr habt die vergangene Saison mit Rang 13 abgeschlossen.

Ziel war erst einmal der Klassenverbleib. Das haben wir geschafft. Daher können wir sagen: Ziel erreicht. Wir können sogar sagen, dass das sicher geklappt hat. Schon vor dem letzten Rennen der Saison waren wir so gut wie sicher gerettet.

Ihr hattet am Ende ein Polster von elf Zählern auf den ersten Abstiegsplatz.

Genau. Wir waren froh, nichts mit dem Abstieg zu tun gehabt zu haben. Das ist auch das Ziel für die kommenden Jahre. Wir wollen uns langfristig im Tabellenmittelfeld der Bundesliga etablieren. Wir sind auf einem guten Weg dahin.

In Tübingen habt ihr mit Rang sechs sogar einen Rang im vorderen Mittelfeld belegt.

Das war echt unglaublich. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Uns war im Ziel klar, dass es ein gutes Ergebnis wird. Aber Rang sechs haben wir nicht für möglich gehalten. Das klang so unrealistisch. Einer unserer Athleten hat beim Schwimmen den Chip verloren. Da mussten wir erst einmal abwarten, ob er überhaupt gewertet wird. Das Krasse war: Es war von uns nicht einmal ein perfektes Rennen. Drei Athleten haben ein gutes Rennen gezeigt, bei zweien lief es nicht so toll.

Und jetzt wollt ihr sicherlich erneut solch ein Ergebnis erreichen - oder es sogar noch toppen.

Dafür braucht es allerdings einen guten Tag von allen Startern, was wir vergangene Saison nie hatten. Dann ist es möglich, das Ergebnis von Tübingen 2019 noch zu toppen.

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