News: Jan Stratmann: "Mein Ehrgeiz steht mir manchmal im Weg"

29.03.2021 11:34 von Thorsten Eisenhofer

Jan Stratmann (Triathlon Witten) wird auch nach seinem Wechsel auf die längeren Distanzen weiterhin regelmäßig in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga starten. Wir haben mit ihm über ein Bundesligarennen als Katalysator für seine Karriere, die Vorbildrolle des Vaters und den schmalen Grat zwischen Ehrgeiz und Perfektionismus gesprochen.

Jan, was hast du in den Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gelernt?

2012 habe ich, in meinem ersten Triathlonjahr, überhaupt, mein erstes Rennen in der Bundesliga absolviert. Ich habe in der Bundesliga extrem viel über den Sport und die Wettkämpfe gelernt: wie man ein Rennen bestreitet, wie man im Freiwasser schwimmt, wie man in einer Gruppe Rad fährt. Es gab in Witten immer Athleten, die mich als jungen Sportler an die Hand genommen haben und mir viel erklärt haben.

Gibt es eine Situation, von der du sagen kannst, da hat dich ein Bundesligarennen richtig weitergebracht?

Am Anfang hatte ich immer Probleme beim Schwimmen im Freiwasser. Ich habe es nicht geschafft, meine Beckenleistung umzusetzen. Beim Bundesligarennen in Tübingen 2014 war ich dann viertschnellster Schwimmer. Da hat es klick gemacht. Es war ein einschneidender Moment, der mir sehr viel gebracht und viel Selbstvertrauen gegeben hat.

Gibt es Dinge aus der Bundesliga, die du vermisst, wenn du bei längeren Rennen startest?

Ich vermisse es nicht direkt, aber die Renndynamik eines Bundesligarennens ist schon eine besondere. Und was ich in der Bundesliga besonders toll finde, ist der Teamgedanke. Ich habe Fußball gespielt, bis ich 16 Jahre alt war, habe also lange eine Teamsportart betrieben. Daher fand ich den Teamgedanken der Bundesligarennen von Beginn an cool. Jeder kämpft für sich, aber ein Team doch füreinander. Deshalb werde ich immer, sofern es meine Wettkampfplanung möglich macht, in der Bundesliga starten. Die Rennen möchte ich nicht missen.

Was möchtest du in der Bundesliga noch erreichen?

Ich möchte zeigen, dass ich mich trotz der Fokussierung auf die längeren Distanzen auf den kurzen Strecken weiterentwickelt habe. Ich möchte gute Ergebnisse erzielen. Für mich – und auch für mein Team.

Du hast nach dem Ende der Saison 2019 den Wechsel auf die längeren Distanzen vollzogen.

Es war ein Schritt in die richtige Richtung, ich habe viel gelernt, auch wenn ich mir das von den Ergebnissen nicht so vorgestellt habe (Jan konnte 2020 coronabedingt nur zwei Rennen bestreiten, Anm. d. Red.). Ich weiß, dass ich mich in den vergangenen eineinhalb Jahren weiterentwickelt habe. Das will ich nun dieses Jahr auch in Wettkämpfen zeigen. Ich würde mich gerne für die Ironman-70.3-WM qualifizieren. Aber man muss erst einmal schauen, wie viele Qualifikationswettbewerbe dafür dieses Jahr überhaupt stattfinden können.

Langfristig willst du auf die Langdistanz.

Wir (Jan und seine Trainerin Laura-Sophie Usinger, Anm. d. Red.) hatten dafür einen Plan. Den hat die Corona-Pandemie ein bisschen durcheinandergewirbelt. Ich hoffe, dass ich Ende der kommenden Saison meine erste Langdistanz absolvieren kann.

Was reizt dich an der Langdistanz?

Ich bin durch meinen Vater zum Triathlon gekommen. Er ist – als Hobbyathlet – bei den Langdistanzrennen in Roth und Frankfurt gestartet. Seitdem bin ich triathlonverrückt und hatte von Anfang an als großes Ziel die Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii. Die Rennen auf den kurzen Distanzen habe ich immer als Etappe zu diesem Ziel gesehen.

Ist es ein Traum, mal zusammen mit deinem Vater auf Hawaii zu starten?

Mein Vater kann auf Grund seiner Knieprobleme leider nicht mehr laufen. Sollte ich mich für das Rennen qualifizieren, fliegt er aber sicherlich mit.

Ist dein Vater ein Vorbild für dich?

Ich denke, der eigene Vater ist immer ein Vorbild. Aber das ist jetzt nicht nur auf die Leistung im Sport bezogen, sondern vor allem auf die menschlichen Qualitäten. Von ihm habe ich gelernt, dass einem nichts geschenkt wird, sondern man sich alles hart erarbeiten muss und dass man, wenn man hart dafür arbeitet, alles schaffen kann. Und …

… ja …

Seinen Ehrgeiz habe ich auch. Der steht mir allerdings manchmal im Weg.

Warum?

Mein Anspruch an mich selbst ist maximal hoch. Aus Ehrgeiz kann jedoch schnell Perfektionismus werden. Man kann schnell verkrampfen, wenn man versucht, alles perfekt zu machen und stresst sich dann selbst. Das ist dann kontraproduktiv.

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