News: "Habe gemerkt, dass der Haushalt auch Zeit in Anspruch nimmt"

03.03.2020 08:04 von Thorsten Eisenhofer

Mika Noodt (Triathlon-Team DSW Darmstadt) hat einen großen Anteil am Höhenflug des Triathlon-Teams DSW Darmstadt in der vergangenen Saison der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga. Die Mannschaft stand in Tübingen auf dem Podium und belegte Rang vier in der Gesamtwertung. Noodt hat uns im Interview erzählt, warum er manchmal noch gerne zu Hause ist, welche wichtige Rolle der Spaß in Darmstadt spielt und warum der Teammanager die Jungs manchmal vor Wettkämpfen bremsen und ermahnen muss.

Mika, du bist vor ein paar Monaten von Wolfsburg nach Darmstadt gezogen. Hast du dich gut eingelebt in Südhessen?

Das war für mich ein großer Schritt. Ich bin das erste Mal in meinem Leben von zu Hause weggegangen, wohne nun alleine, gehe nicht mehr zur Schule, sondern zur Uni (Noodt studiert Informationssystemtechnik an der TU Darmstadt, Anm. d. Red.). Es hat sich also auf der persönlichen Ebene viel geändert. Es hat sich aber auch sportlich viel geändert: Ich habe zu Hause viel alleine trainiert, bis auf das wöchentliche Kadertraining. Nun bin ich in einer Trainingsgruppe und trainiere jeden Tag zusammen mit anderen Athleten.

Klingt nicht so, als hättest du Heimweh.

Ich habe mich von Beginn an hier sehr wohl gefühlt. Es ist eine gute Gruppe, es geht sehr locker zu.

Wie groß war die Umstellung für dich, nicht mehr bei deinen Eltern zu wohnen?

Im ersten Moment war es schon eine Umstellung. Im Haushalt muss ich nun vieles selbst machen und das nimmt auch noch Zeit in Anspruch (lacht). Aber nach zwei, drei Wochen hatte ich mich darauf eingestellt und empfinde das jetzt als ganz normal. Nun ist es umso schöner, wenn ich mal nach Hause komme und alles gemacht wird (lacht).

Wie ist es für dich, eine richtige Trainingsgruppe zu haben?

Das ist schon etwas anderes. Vor allem beim Schwimmen und beim Radfahren ist es hier echt eine starke Gruppe, obwohl wir kein Stützpunkt sind. Aus meiner Sicht haben wir hier aber Bedingungen wie an einem Stützpunkt. Die Athleten sind stark, die Wege sind kurz. An einem Stützpunkt mag die Qualität der Athleten noch ein bisschen höher sein, aber da hat man als Athlet auch mehr Druck. Hier geht es im Training auch mal lustig zu, es wird viel gescherzt. Ich trainiere jetzt mehr als früher. Aber es fühlt sich eher weniger an, weil es in der Gruppe so viel Spaß macht.

Was zeichnet die Trainingsgruppe aus?

Wir sind alle relativ jung und es herrscht immer eine lockere Stimmung, unter der der Leistungsgedanke und die Qualität der Ergebnisse allerdings nicht leiden. Diese Lockerheit verhilft uns sogar zu guten Ergebnissen. Vor dem Rennen in Tübingen (Darmstadt belegte Rang zwei, Anm. d. Red.) war die Stimmung zum Beispiel total entspannt. Thomas (Pignede, Darmstadts Teammanager, Anm. d. Red.) lässt viel zu und trägt auch selbst zur guten Stimmung bei, weil er viel Quatsch macht und mitmacht. Er genießt diese Wochenenden. Nur ein paar Stunden vor den Rennen weist er uns dann doch mal daraufhin, uns jetzt auf den Wettkampf zu konzentrieren.

Ihr wart 2019 Zweiter in Tübingen und Vierter in der Gesamtwertung. Das Ergebnis ist nicht so einfach zu steigern.

Das stimmt. Es wäre toll, wenn wir wieder Vierter in der Gesamtwertung werden – oder vielleicht sogar aufs Podium kommen. Eine Podestplatzierung in einem Einzelrennen wäre auch toll. Wir haben 2019 gezeigt, dass wir kein Glück dafür brauchen, dass nicht bei anderen Mannschaften etwas schief laufen muss. Wenn jeder von uns eine solide Leistung abruft, kann es für das Podium reichen.

Im Einzel warst du Zwölfter im Kraichgau und 13. in Tübingen …

… jetzt hoffe ich auf eine Platzierung in den Top Ten in diesem Jahr.

Du warst 2019 auch Dritter in der Gesamtwertung des Deutschlandcups bei den Junioren.

Damit bin ich zufrieden. Ich habe mich in den vergangenen Jahren kontinuierlich entwickelt und einige Top-Ergebnisse erzielt, obwohl ich einer der wenigen Nachwuchsathleten bin, der nicht an einem Stützpunkt trainiert.

Warum kam das für dich nicht in Frage?

Es hat sich nicht ergeben. Und eins, zwei Jahre vor dem Abitur wollte ich dann nicht mehr wechseln, das hätte nicht so viel gebracht. Für meine langfristige Entwicklung ist der Weg, den ich gegangen bin, der bessere. Ich habe noch viel Entwicklungspotential, das noch nicht ausgeschöpft ist. Ich träume davon, Profi zu werden. Aber ich will es nicht zu verkrampft angehen und alles auf eine Karte setzen. Triathlon ist für mich ein Hobby, aber auch etwas, was mir extrem viel Spaß macht.

Du bist nun das erste Jahr in der Altersklasse U23. Wir groß ist der Schritt?

Es ist ein ziemlich großer Sprung, weil es die Kategorie U23 in vielen Wettkämpfen nicht gibt. In Bundesligarennen ist das egal. Aber Europacups gibt es nur bei den Junioren und der Elite, nicht aber für die U23. Es dauert sicherlich eins, zwei Jahre, bis man sich da etabliert hat.

2019 hast du dein Debüt im Junioren-Europacup gegeben und das Rennen in Ohrid auf Anhieb gewonnen.

Ich bin das Rennen relativ entspannt und selbstbewusst angegangen. Dass es so gut wird, damit habe ich nicht gerechnet. Der Erfolg kam also etwas überraschend für mich und hat dementsprechend eine große Bedeutung.

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