News: "Das ist eher der Traum eines bescheuerten Radfahrers"

26.06.2020 11:55 von Thorsten Eisenhofer

Maximilian Saßerath (Team Nikar Heidelberg) gehört zu den Athleten der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga, die viel Erfahrung mit virtuellen Rennen haben. Im Interview spricht er über Siege vor Justus Nieschlag und Sebastian Kienle sowie Träume von harten Radstrecken und erklärt, warum er andere gerne leiden sieht.

Maximilian, wie groß ist die Vorfreude auf das Zwift-Radrennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga am Sonntag?

Ich habe echt Bock auf das Rennen. Ich bin dieses Jahr schon einige virtuelle Rennen gefahren, habe also entsprechend Übung und einigen meiner Konkurrenten damit etwas voraus. Vielleicht gelingt es mir so zum ersten Mal, in einem Rennen der Bundesliga eine Top-Ten-Platzierung zu erzielen. Das wäre cool.

Du hast unter anderem bereits den virtuellen Auftakt des BASF Triathlon-Cups Rhein-Neckar gewonnen.

Das war spannend und mal ein anderes Format. Im Gegensatz zu Rennen auf Zwift sind diese Wettkämpfe auf der Rolle wie ein Einzelzeitfahren. Ich war etwas überrascht, dass ich schon am Berg wegfahren konnte. Auf der Abfahrt und anschließend im Flachen habe ich dann geschaut, dass ich immer ein bisschen mehr investiere als meine Verfolger. So konnte ich meinen Vorsprung noch ein bisschen ausbauen. Bergab habe ich auf jeden Fall davon profitiert, dass ich aufgrund meines Corona-Specks einer der schwersten Fahrer im Feld war (lacht).

Du hast das Ziel vor Justus Nieschlag erreicht, einem der besten deutschen Triathleten auf den kurzen Distanzen.

In einem normalen Triathlon hätte ich nie eine Chance, Justus zu schlagen. Ich schwimme und laufe einfach schlechter als er. Es ist jetzt natürlich schön, dass es zumindest in einer der drei Triathlon-Disziplinen mal geklappt hat. In einem normalen Triathlonrennen, gerade in einem der Bundesliga, geht es ein bisschen unter, dass ich ähnlich gut Radfahren kann wie die Topathleten. In der Bundesliga ist die erste Radgruppe längst weg, wenn ich aus dem Wasser komme. Und ich sehe die Jungs nicht wieder.

Dir würden profilierte Radstrecken entgegenkommen.

Ja, so eine Strecke wie früher am Schliersee wäre toll. Das würde eine ganz andere Dynamik in das Rennen bringen. Wir in Heidelberg sagen manchmal spaßeshalber, hier müsste es mal ein Bundesligarennen geben. Und dann geht es mit dem Rad mehrmals den Philosophenweg (ca. 2 km langer Anstieg, der vor allem zu Beginn sehr steil ist, Anm. d. Red) hoch. Das ist aber auch eher der Traum eines bescheuerten Radfahrers als der Wunsch der Mehrzahl der Triathleten (lacht).

Du hast also Justus Nieschlag geschlagen, im vergangenen Sommer hast du bei deinem Heimrennen in Heidelberg das Ziel vor Sebastian Kienle erreicht. Bist du einer, der gerne die großen Namen im Feld ärgert?

Ich habe einen gesunden Respekt vor großen Namen, aber keine Angst. Ich gehe die Rennen auch entsprechend an. In Heidelberg habe ich lange Zeit gedacht, der Sebastian kommt irgendwann und holt mich ein. Wenn das dann nicht passiert, pusht einen das ungemein. Dann sind natürlich auch die Schmerzen mental leichter zu ertragen.

Solche Momente sind dann echte Triathlon-Sternstunden.

Auf jeden Fall. Es ist die Chance, zu zeigen, wie gut man ist. Oder zumindest wie gut man in Teilen des Triathlons ist. So etwas geht in einem Bundesligarennen schnell unter. Und es ist dann natürlich toll, in der Nachberichterstattung erwähnt zu werden.

Du bist nun einige virtuellen Radrennen gefahren. Ist es für dich noch immer gewöhnungsbedürftig, zu Hause zu fahren?

Ich verspüre im Vorfeld nicht so die Anspannung wie vor einem normalen Rennen. Die letzten 20 Minuten vor dem Wettkampf bin ich dann allerdings super nervös. Ähnlich wie vor einem Bundesligarennen. Der Start ist einfach super wichtig, man muss schauen, dabei zu bleiben. Was natürlich schade ist, dass man nicht sieht, dass die anderen genauso leiden wie man selbst. Und …

… ja …

… toll ist, dass man sich richtig ausbelasten kann. Gerade auf dem Rad macht man das im Triathlon ja ansonsten eigentlich nie. Da fährt man nie, bis man nur noch verschwommen sieht. Und virtuelle Radrennen sind taktisch anspruchsvoller als man denkt. Es ist wichtig, am richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein. In Ergebnislisten sieht man immer wieder, dass zwei Athleten die gleiche Leistung gefahren sind, aber der eine deutlich besser platziert ist.

Am Sonntag ist im Rennen der Frauen auch deine Schwester Pauline dabei, die für Pro Athletes KTT 01 startet.

Da wird es vor dem Rennen sicherlich noch eine Strategiebesprechung geben. Pauline hat nicht so viel Erfahrung bei virtuellen Rennen wie ich. Ein paar Tipps kann ich sicherlich noch geben.

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