News: Nick Ziegler: "Wenn ich gewollt hätte, hätte ich es durchziehen können"

18.02.2021 11:04 von Thorsten Eisenhofer

Nick Ziegler (Hylo Team Saar) hat vor einem Jahr seine Leistungssportkarriere beendet, in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga startet er jedoch weiterhin. Wir haben mit ihm über einen doppelten Tiefschlag, fehlenden Biss und neue Reize gesprochen.

Nick, du hast im Frühjahr 2020 deine Karriere als Hochleistungssportler beendet. Wie kam es dazu?

Ich bin Ende 2019, nach dem Ende meiner Jugendzeit, in die Trainingsgruppe von Christian Weimer und Daniel Unger am Stützpunkt Saarbrücken gewechselt. Ich war super motiviert, es war genau das, was ich immer machen wollte. Und es lief auch echt gut, die Trainingsgruppe ist echt cool.

Dann begann Anfang 2020 eine Abwärtsspierale.

Im Leistungssport gehört man zu den Besten, wenn man auch durch schwierige Phasen durchkommt, sich quält, wenn es mal nicht so läuft. Dafür hat mir die Motivation gefehlt. Als dann zu meinem Motivationsloch noch die Corona-Pandemie kam, wir plötzlich alleine trainieren mussten, war bei mir die Luft raus.

Hat dir der Biss gefehlt?

In diesem Punkt auf jeden Fall. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich es durchziehen können.

Hättest du es nicht sogar durchziehen müssen?

Schwierige Frage. Ich denke natürlich schon oft, dass es eine coole Zeit war. Ich habe Jahre lang darauf hingearbeitet, dass ich davon träumen kann, im Triathlon etwas zu erreichen. Ich bin mega froh, dass ich den Sport so lange gemacht, so viel erlebt, erfahren und gelernt habe. Es war eine sehr coole Zeit. Aber bislang habe ich meinen Schritt auch nicht bereut.

Könnte es passieren, dass der Punkt noch kommt, an dem du ihn bereust?

Ich kann mir vorstellen, dass ich wehmütig zurückdenke, wenn die Athlet*innen, mit denen ich jahrelang trainiert habe, in Zukunft Erfolge feiern sollten. Vielleicht denke ich dann: schade, dass ich den Weg nicht weiter gegangen bin.

Ganz aufgehört hast du allerdings auch nicht.

Beim Bundesligarennen in Saarbrücken bin ich schon eingesprungen. Und ich habe Micha (Zimmer, Teamleiter des Hylo Teams Saar, Anm. d. Red.) gesagt, ich stehe zur Verfügung für die Bundesliga, wenn ich in Zukunft gebraucht werde. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass ich in den kommenden Jahren das eine oder andere Bundesliga-Rennen absolviere.

Ich werde ab dem Frühling wieder regelmäßiger Rad fahren und vielleicht auch nochmal ab und an ins Schwimmbecken springen. Aber ich glaube nicht, dass ich Triathlon noch einmal richtig ambitioniert betreibe. Da müsste ich jetzt schon längst wieder richtig hart trainieren. Wenn man da mal ein paar Monate raus ist, ist es unrealistisch, wieder den Anschluss zu schaffen.

Der Sommer 2020 war der erste ohne Leistungssport für dich seit vielen Jahren.

Ich habe den Sommer genossen, zumindest so gut wie das unter Corona-Bedingungen ging. Ich habe das Beste daraus gemacht, war viel Wandern und Bouldern. Nach sieben Jahren als Hochleistungssportler war es eine schöne Abwechslung, mal nicht den Leistungsdruck zu haben.

Ohne Sport geht es bei dir jedenfalls nicht.

Sport wird immer ein Teil meines Lebens sein. Seit Oktober gehe ich wieder vier- bis fünfmal die Woche laufen. Vergangene Woche (die erste Februar-Woche, Anm. d. Red.) bin ich 80 Kilometer gelaufen. Das war die längste Laufwoche in meinem Leben (lacht). Ich mache das derzeit recht ambitioniert, möchte doch nochmal das eine oder andere Ziel angehen.

Was zum Beispiel?

Ich würde gerne 5 Kilometer in unter 15 Minuten laufen. Wenn ich das in meinem Leben schaffen will, muss ich das jetzt angehen. Noch habe ich die Grundlagen durch das jahrelange harte Training.

Mittlerweile bist du nach Freiburg gezogen.

Ich nutze das Mehr an Zeit, das ich habe, seitdem ich weniger trainiere, für mein Studium (Nick hat in Freiburg begonnen, Grundschullehramt mit den Fächern Mathematik und Politik zu studieren, Anm. d. Red.) und engagiere mich ehrenamtlich und gesellschaftlich. Dafür hat mir bislang neben der Zeit auch die Energie gefehlt.

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