News: Hanna Krauß: "Die anderen Mädels haben mich angeschrien"

22.12.2020 10:43 von Thorsten Eisenhofer

Hanna Krauß hat erst ihre zweite Saison in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga hinter sich, aber schon einiges erlebt. Sie hat uns erzählt, warum sie beim ihrer Triathlon-Premiere ihre Konkurrentinnen gegen sich aufgebracht hat, warum sie bislang jedes Jahr das Team wechseln musste und warum sie Radfahren nicht so mag.

Hanna, dein großes Triathlon-Highlight 2020, das Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Saarbrücken, war für dich schnell vorüber. Du hattest einen Platten.

Es war das erste Mal, dass ich in einem Rennen einen Platten hatte. Ich habe vorher noch gesagt, so etwas ist mir noch nie passiert. Das war wohl ein Fehler (lacht).

Wie sehr hast du dich geärgert?

Radfahren ist die Disziplin, die ich am wenigsten mag. Es kommt nicht nur auf die körperliche Leistung an, sondern man ist auch von einer Maschine abhängig. Wenn der Körper versagt, dann ist das so. Wenn etwas mit dem Rad ist, dann ärgere ich mich anders.

Also mehr?

Ja, schon.

Du bist 2019 erstmals in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gestartet. Ein großer Sprung?

Ich bin in den Jahren zuvor bereits zweimal bei Deutschen Meisterschaften in den Rennen der Bundesliga gestartet (über das Zusatzkontingent, Anm. d. Red.). Ich wusste also, was da abgeht. Als gute Schwimmerin kommen mir die Rennen der Bundesliga entgegen. In der Zweiten Liga bin ich oftmals als erste Athletin aus dem Wasser gekommen und wurde auf der Radstrecke von einer großen Gruppe geschluckt. In der Bundesliga gibt es noch ein paar schnellere Schwimmerinnen als mich. Das hilft mir, um das Ziel vor Athletinnen zu erreichen, die in der Zweiten Liga noch vor mir waren.

Was bedeutet es dir, in der Bundesliga aktiv zu sein?

Das Level der Rennen ist um einiges höher im Vergleich zu anderen Wettkämpfen. Ich bin immer noch extrem nervös vor dem Start und frage mich jedes Mal, warum machst du das überhaupt?

Wie gehst du damit um?

Wenn in den letzten Minuten vor dem Start die Musik einsetzt, kann ich mich auf das Rennen fokussieren und auch auf den ersten Metern im Wasser richtig durchziehen.

Schwimmen ist eh deine stärkste Disziplin.

Ich bin relativ lange leistungsmäßig geschwommen. Obwohl ich irgendwann gemerkt habe, dass ich bei Deutschen Meisterschaften nicht mit den Besten mithalten werde, habe ich weiterhin zweimal am Tag trainiert. Mir hat das Training einfach Spaß gemacht. Aber der Zeitaufwand war irgendwann zu groß und mit Anfang 20 dachte ich, ich probiere es mal mit Triathlon.

Dein erstes Triathlonrennen war dann gleich für Forchheim in der Bayernliga.

Das war sehr lustig (lacht).

Warum?

Ich bin als Erste aus dem Wasser gekommen und dann von einer Gruppe eingeholt worden. Ich bin vorher noch nie Windschatten gefahren, hatte keine Ahnung, wie man das macht und habe mich entsprechend dilettantisch angestellt. Die anderen Mädels haben mich angeschrien. Irgendwann bin ich dann gar nicht mehr nach vorne gegangen, weil ich Angst hatte, etwas falsch zu machen. Und beim Absteigen vor dem zweiten Wechsel bin ich dann auch noch vom Rad gefallen (lacht). Aber ich bin Dritte der Bayerischen Meisterschaften geworden und wusste gleich: das ist mein Sport.

Mit deinen Mannschaften hattest du bisher nicht so viel Glück: Du bist für Forchheim in der Zweiten Liga und für München und Krefeld in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gestartet. Kaum warst du da, wurden die Mannschaften abgemeldet.

Das ist natürlich ein bisschen schade, weil ich mich in den Teams immer sehr wohlgefühlt habe.

Nun startest du in der kommenden Saison für das REA Card Team TuS Griesheim. Mit der Hoffnung, dass die Mannschaft auch 2022 noch in der Bundesliga startet?

Klar (lacht).

In deinem ersten Rennen 2019 im Kraichgau warst du 18. Ist eine deutlich bessere Platzierung ein Ziel?

Top 5 oder so ist für mich unrealistisch. Dafür trainiere ich zu wenig und ich möchte für solch ein Ziel auch nicht zu viel Freizeit opfern. Es ist mir auch wichtig, in meiner Freizeit noch für andere Dinge Zeit zu haben.

Du gibst Schwimmtraining für Erwachsene und Kinder. Was reizt dich daran?

Ich habe mit Kindertraining im Leistungsbereich angefangen und gemerkt, dass mir das mega viel Spaß macht, wenn man die Kinder weiterbringt. Ich glaube – und das gilt natürlich auch für die Erwachsenenkurse – dass ich sehr viel Erfahrung habe, diese weitegeben und mich auch gut in die Athlet*innen reinversetzen kann.

Die Liebe zum Schwimmen ist also sehr groß.

Es ist meine Lieblingsdisziplin, während es für viele Athlet*innen die Hassdisziplin ist. Es liegt aber auch daran, dass sich viele Sportler*innen zu wenig damit beschäftigen. Eigentlich sollte man am meisten Zeit für das Schwimmen aufwenden, weil es die Disziplin ist, die am weitesten von gewohnten Bewegungen entfernt ist. Entsprechend muss sie ganz anders erlernt werden. Gehen tun wir jeden Tag und Laufen ist eine ähnliche Bewegung.

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