News: Simon Breinlinger: "Brauche Adrenalinausstöße, egal ob im Beruf oder im Sport"

26.04.2021 10:33 von Thorsten Eisenhofer

Simon Breinlinger startet seit 2018 für das Team Nikar Heidelberg in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga. Ein Gespräch über ausreichend Adrenalinausstoß, unterschiedlich verteiltes Talent, Falschparker und Einbrüche.

Simon, 2015 bist du erstmals im Ligabetrieb gestartet, in der 2. Landesliga Baden-Württemberg. Wusstest du damals schon, was die Bundesliga ist?

Mein älterer Bruder Jonas (Perspektivkader-Athlet der Deutschen Triathlon Union und in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga für das Hylo Team Saar am Start, Anm. d. Red.) ist damals schon in der Bundesliga gestartet. Ich habe regelmäßig bei den Wettkämpfen zugeschaut, vor allem beim Rennen im Kraichgau, das ist ja von Heidelberg nicht weit weg. Und ich habe auch Rennen von Jonas in Tübingen, Düsseldorf und Buschhütten gesehen. Die Aufmachung der Wettkämpfe und das Ambiente haben mich schon damals fasziniert.

War die Bundesliga für dich damals schon ein Ziel?

Das war in der 2. Landesliga schon noch ein Stück weit weg. Andere aus dem Team hatten das vielleicht schon als Ziel, ich aber nicht. Das kam dann später, als es in der 1. Landesliga gut lief und vor allem dann in der Zweiten Liga.

In der Saison 2017 ist euch der Aufstieg von der Zweiten Liga in die 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gelungen.

Die Vorfreude auf die Bundesliga war sehr groß. Auch wenn natürlich klar war, dass es deutlich härter werden würde. Ich habe meinem ersten Rennen entgegengefiebert (2018 in Düsseldorf, Anm. d. Red.). Mit dem Team zusammen einzuchecken, dann die Bundesligamusik vor dem Start, das war schon etwas Besonderes. Ich wusste schon vorher, dass ich in dem Moment sehr nervös sein würde, wenn die letzte Minute vor dem Start die Bundesligamelodie startet. So war es dann auch. Aber sobald es losging, war ich voll fokussiert.

Du hast dein Studium zum Polizeikommissar gerade abgeschlossen. Kann man sich deinen Job wie im Tatort vorstellen?

(lacht) Dafür hätte ich zur Kriminalpolizei gehen müssen. Ich bin bei der Schutzpolizei, das heißt ich mache Streifendienst. Das ist sehr breit gefächert, daher wollte ich das machen.

Was reizt dich an deinem Job?

Man weiß vor Dienstbeginn nie, was einen am Arbeitstag erwartet. Es kann sein, dass nur zweimal das Telefon klingelt und einmal davon ruft jemand an, um einen Falschparker zu melden. Es kann aber auch sein, dass man wegen eines Einbruchs gerufen wird. Es kann alles möglich kommen, es ist nichts vorhersehbar. Das macht den Job so spannend und führt immer wieder zum Adrenalinausstoß.

In einem Triathlonrennen weiß man auch nicht, was einen erwartet.

Das stimmt, das ist ein Stück weit vergleichbar. Den Rennverlauf kann man auch nicht vorhersehen.

Brauchst du regelmäßige Adrenalinausstöße?

Das brauche ich, egal ob im Beruf oder im Sport. Wenn ich nicht unter Spannung bin, mache ich Fehler.

In deinem letzten Juniorenjahr warst du im saarländischen Landeskader. Hast du damals von einer Profikarriere geträumt?

Ich war damals im Kader, habe aber nicht am Stützpunkt in Saarbrücken trainiert, sondern weiterhin in Heidelberg. Ich wollte für mein letztes Schuljahr nicht die Schule wechseln und hatte in Heidelberg auch sehr gute Bedingungen. Anschließend war ich dann aus dem Juniorenalter herausgewachsen. Mir war klar, dass es niemals für die Kaderstrukturen der DTU reichen würde.

Dein älterer Bruder Jonas ist im DTU-Perspektivkader, deine jüngeren Brüder David und Jakob trainieren an Stützpunkten. Schaust du manchmal etwas neidisch auf ihre Karrieren?

Ich bin ziemlich zufrieden mit meinem Weg. Mein Beruf macht mir extrem viel Spaß. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich früher nie daran gedacht hätte, im Triathlon meinen Weg zu gehen. Aber ich habe auch sehr früh gemerkt, dass es bei mir nicht reichen wird.

Woran hat es gelegen? Ist das Triathlon-Talent bei den Breinlingers ungleich verteilt worden?

(lacht) Vielleicht habe ich ein bisschen weniger Talent. Ich glaube, dass es vor allem eine Kopfsache ist. Jonas hat einfach sein Ding durchgezogen, ich weiß nicht, ob ich diesen Trainingsfleiß jemals aufgebracht hätte. Und bei meinen jüngeren Brüdern habe ich irgendwann gemerkt, wie sie leistungsmäßig immer mehr aufholen und an mir vorbeigezogen sind. Das war nicht einfach und hat sicherlich in meine Entwicklung reingespielt.

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