News: Michael Haas: "War für mich der Punkt, an dem ich dachte, es soll nicht mehr sein"

19.04.2021 14:26 von Thorsten Eisenhofer

Michael Haas ist von 2015 bis 2020 für das WMF BKK-Team AST Süßen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gestartet. Wir haben mit ihm über eine bleibende Erinnerung an seine Premiere, einen Abschied ohne Abschiedsrennen und Motorradrennen gesprochen.

Michael, du hast nach der vergangenen Saison deine Karriere in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga beendet. Wie fühlt es sich ein halbes Jahr später an?

Noch spüre ich keinen großen Unterschied. Die Schwimmbäder haben weiterhin zu und Wettkämpfe finden nur vereinzelt statt. 2020 war ein schwieriges Jahr, gerade für mich als nicht so guten Schwimmer. Ich bin dann zum Entschluss gekommen, dass es keinen Sinn mehr macht und dachte, es ist kein schlechter Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen.

Ist dir der Entschluss schwer gefallen?

Es war ja keine Entscheidung von einem Moment auf den nächsten, sondern ein laufender Prozess. Eigentlich wollte ich in Saarbrücken noch einmal starten. Dann war ich kurz vor dem Wettkampf Kontaktperson ersten Grades eines Corona-Infizierten. Das hieß natürlich, ein Start ist nicht möglich. Das war für mich dann der Punkt, an dem ich dachte, es soll nicht mehr sein.

Wie viel Wehmut ist dabei?

Bislang hält sich der Wehmut in Grenzen, was aber vielleicht auch daran liegt, dass noch keine Rennen stattfanden. Ich werde die Bundesliga auf jeden Fall weiter verfolgen und mein Team weiter unterstützen, allerdings nur noch in der Landesliga Baden-Württemberg für Reutlingen/Pfullingen starten. Aber der Wehmut wird sicherlich noch größer werden.

Trainierst du nun deutlich weniger?

Ich trainiere noch immer einmal am Tag, Intensität und Umfang sind aber ein bisschen geringer geworden. Und der Leistungsdruck, in der Bundesliga mithalten zu wollen, ist weg. Dadurch ist alles etwas entspannter. Wenn ich an der Startlinie stehe, möchte ich jedoch weiterhin das Bestmögliche erreichen.

Es bleibt also mehr Zeit für andere Dinge?

Ich genieße es, mehr Zeit für meine Freundin, für Familie und Freunde zu haben.

Und du hast ja noch ein weiteres Hobby: Motorradfahren.

Das mache ich seit 2017. Meine Ambitionen sind gestiegen. Ich werde dieses Jahr an einer Rennserie, die aus fünf Rennen besteht, teilnehmen.

Motorsport ist eine Familiensache bei euch.

Zum Triathlon bin ich durch meine Mutter gekommen, zum Motorradfahren durch meinen Vater. Ich habe mit 18 gleich nach dem Autoführerschein auch den Motorradführerschein gemacht. Mein Vater wollte immer, dass ich mit ihm Motorradtouren fahre. Das hat nicht ganz geklappt (lacht). Dafür haben mein Bruder und ich nun die Rennen für uns entdeckt.

Wie ambitioniert gehst du das an?

Ich will natürlich vor allem Spaß haben. Aber ich glaube es liegt mir im Blut, im Sport immer so schnell und so gut wie möglich sein zu wollen. Absägen lassen will ich mich jedenfalls nicht.

Dein erstes Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga hast du 2015 in Ingolstadt absolviert.

Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich sofort Bock auf weitere Bundesliga-Einsätze hatte. Es war schon toll, als junger Athlet in einer großen Gruppe mit Profis wie Sven Riederer zu sein.

In Erinnerung dürfest du das Rennen aber vor allem wegen der Siegerehrung behalten haben.

Matthias Steinwandter wollte mir das übergroße Bierglas überkippen. Ich habe mich in diesem Moment nach vorne geduckt und dann habe ich das Bierglas auf den Hinterkopf bekommen. An mein erstes Bundesligarennen erinnert mich immer eine kleine Nabe auf dem Hinterkopf.

Böse warst du niemanden?

Nein, wir sind ja Dritter geworden. Das war dann schon okay (lacht).

Gute Erinnerungen hast du auch an das Rennen in Düsseldorf 2018.

Das war mein bestes Rennen, auch wenn ich damals nicht für mein Bundesliga-Team gestartet bin, sondern einen der Plätze aus dem Zusatzkontingent bekommen habe, weil das Rennen zugleich eine Deutsche Meisterschaft war. Ich kam im hinteren Mittelfeld aus dem Wasser und habe mich dann an einen sehr guten Radfahrer drangehängt. Ihm bin ich die ganze Strecke hinterhergefahren, wir haben Gruppe um Gruppe ein- und überholt. Als ich irgendwann die ungläubigen Gesichter unserer Teambetreuer gesehen habe, habe ich mich umgedreht und realisiert, dass ich in der Spitzengruppe bin. Das war natürlich ein wahnsinniges Gefühl, einmal im Leben in der Führungsgruppe eines Bundesligarennens zu sein.

Dein Standardergebnis war meistens ein Rang zwischen Mitte 40 und Anfang 50. Hat das genervt, immer eine ähnliche Platzierung zu erreichen?

Genervt nicht. Aber man konnte sich schon irgendwie darauf einstellen. Natürlich hat man auf eine Überraschung gehofft. Habe ich dann das Ziel zwischen Rang 40 und 50 erreicht, habe ich gedacht, war ja so zu erwarten. Natürlich hätte ich gerne mal ein Top-20-Ergebnis geschafft. An einem perfekten Tag wäre das vielleicht auch möglich gewesen. Trotzdem kann ich sagen: Ich bin ziemlich zufrieden, wie meine Karriere in der Bundesliga verlaufen ist.

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