News: Lea Cagol: "Das Training fand um 4 Uhr morgens auf dem Seitenstreifen der Panamericana statt"

15.04.2021 07:53 von Thorsten Eisenhofer

Lea Cagol kehrt nach einem Jahr in die 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga zurück und startet nun für den TSV Amicitia Viernheim. Wir haben mit der 25-Jährigen über ein offenbar unter Triathletinnen beliebtes Studienfach, die Gründe für ihr Bundesliga-Comeback und den Start ihrer Triathlonkarriere in Peru gesprochen.

Lea, du bist die vierte Zahnmedizin studierende Triathletin innerhalb weniger Wochen, mit der ich ein Interview führe.

(lacht) Das scheint ein beliebter Studiengang unter Triathletinnen zu sein. Dabei passt ein Studiengang mit hohem Zeitaufwand eigentlich nicht zu einer Sportart mit hohem Zeit- bzw. Trainingsaufwand.

Wie stellt sich das bei dir dar?

Fast alle Veranstaltungen im Studium sind Pflichtveranstaltungen, ich kann also fast nichts auslassen. Ich bin eigentlich jeden Tag von acht bis 17 Uhr an der Uni. Da ist es schwer, unter der Woche zwei Trainingseinheiten an einem Tag zu absolvieren. Das ist eigentlich nur am Wochenende möglich. Sportler*innen, deren Studium hauptsächlich aus Vorlesungen besteht, haben es da einfacher.

Für mich liegt das Hauptaugenmerk auf dem Studium. Ich schaue, wie das Training in meinen Zeitplan reinpasst. Wenn ich etwas anderes studieren würde, hätte ich sicherlich mehr Zeit für das Training.

Gibt es Tage, an denen du denkst, hätte ich doch mehr Zeit für das Training?

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, noch einmal in der Bundesliga zu starten und die Herausforderung anzunehmen. Die Voraussetzungen sind sicherlich keine einfachen. Vermutlich würde ich bessere Leistungen erzielen, wenn ich mehr Zeit zum Training hätte. Aber es ist so, wie es ist. Und es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Tauschst du dich mit anderen Zahnmedizin studierenden Triathletinnen aus?

Ich weiß, dass Maria Paulig auch Zahnmedizin studiert. Aber man stellt sich jetzt beim Bundesligarennen nicht an die Startlinie und fragt: Und was machst du so neben dem Sport?

Laura Zimmermann kenne ich recht gut, wir sind in Würzburg im gleichen Verein. Laura (sie hat ihr Studium bereits beendet, Anm. d. Red.) frage ich ab und zu um einen Rat. Das brauche ich manchmal, wenn ich mich gerade selbst bemitleide (lacht).

Du hättest auch weiterhin mit Würzburg in der Zweiten Liga starten können. Warum hast du noch einmal die Herausforderung Triathlon-Bundesliga gesucht?

Zum einen, weil das Rennen in Berlin (Der Abschluss der Saison 2019, Anm. d. Red.) nicht gut gelaufen ist und ich noch etwas gutzumachen habe. Zum anderen hat die Saison mega Spaß gemacht und ich würde das gerne noch einmal erleben.

Ist dir die Zweite Bundesliga nicht Herausforderung genug?

Ja. Auch wenn das irgendwie blöd klingt. Aber man versucht natürlich schon seine Grenzen auszuloten, das Bestmögliche aus sich herauszuholen. Und die Bundesliga ist mit dem Ambiente, mit der Möglichkeit mit internationalen Topstars zu starten, natürlich schon etwas Besonderes.

Du hast nach dem Abitur ein FSJ an einer Schule in Peru gemacht. Und dort auch deinen ersten Triathlon absolviert.

Ich bin zuvor hobbymäßig geschwommen und bin auch regelmäßig in Lima (Hauptstadt von Peru, Anm. d. Red.) ins Schwimmbad gegangen. Dort war auch regelmäßig eine Trainingsgruppe. Ich dachte erst, dass sie Schwimmer wären.

Warum?

Verständigungsprobleme (lacht). Dann hat sich herausgestellt, dass es Triathlet*innen sind und dass sie bald einen Wettkampf haben. Sie haben mich gefragt, ob ich mitmachen will und ich habe ja gesagt.

Ganz ohne eigenes Equipment?

Ich habe alles ausgeliehen. Vom Sohn meiner Gastfamilie habe ich ein altes Mountainbike bekommen, mein Gastvater hat mir irgendwoher einen Helm besorgt. Das Schwimmen im Meer war ziemlich hart, weil die Wellen sehr hoch waren. Und beim Radfahren bin ich durchgängig überholt worden. Aber es war voll cool. Später hatte ich auch ein Rennrad ausgeliehen. Das Training fand um 4 Uhr morgens auf dem Seitenstreifen der Panamericana statt, da um diese Uhrzeit wenig Verkehr ist. Als es dann in Deutschland mit dem Studium losging, habe ich mich in Würzburg gleich im Verein angemeldet und bin bald auch in der Regionalliga gestartet.

Was hat dir die Zeit in Peru für deine Entwicklung gebracht?

Es war eine super Erfahrung. Ich bin super herzlich von meiner Gastfamilie aufgenommen worden, habe mich dort wie zu Hause gefühlt. Ich bin durch die Zeit gegenüber anderen Menschen und Kulturen viel offener geworden. Außerdem habe ich ein großes Stück der südamerikanischen Gelassenheit mitgenommen.

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