News: Lars Pfeifer: "Besten Leistungen habe ich erreicht, wenn ich mich von Träumen und Zielen freigemacht habe"

07.04.2021 08:19 von Thorsten Eisenhofer

Lars Pfeifer (WMF BKK-Team AST Süßen), seit Jahren in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga dabei, hat uns im Interview verraten, warum er versucht, sich von Zielen und Träumen freizumachen, was er in der Stunde vor dem Start eines Rennens nicht macht und warum er in den vergangenen zwei Jahren ein wenig kürzer getreten ist.

Lars, dein einziger Triathlonwettkampf 2020 war leider schnell vorbei.

Ich hatte ein paar Tage vor dem Bundesligarennen in Saarbrücken einen Radsturz, als mir ein Auto die Vorfahrt genommen hatte. Daher musste ich in Saarbrücken mit einem Leihrad meines Teams antreten. Das hatte nach einem Kilometer einen Platten.

Immerhin konntest du 2020 noch zwei Laufwettkämpfe absolvieren. Und das erfolgreich.

Ich bin kurz vor dem ersten Lockdown bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Crosslauf Achter geworden. Das war für mich persönlich ein gelungener Einstieg in eine Saison, welche aus bekannten Gründen keine richtige Saison mehr geworden ist.

Ein weiterer Erfolg 2020 war: du hast dein Studium beendet.

Ich habe meine Masterarbeit abgegeben, auch wenn ich sie noch verteidigen muss. Ich arbeite mittlerweile 20 Stunden die Woche als Applikationsingenieur in der elektrischen Messtechnik für die Energiebranche. Ich kann mir die Arbeitszeit recht gut einteilen und so Sport und Beruf gut kombinieren. So wie mir das zuvor schon mit Studium und Sport gelungen ist.

Für die Abschlussarbeit hast du in den Jahren 2019 und 2020 im Sport ein bisschen zurückgesteckt.

Als 2019 klar war, dass ich mein großes Ziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio, nicht mehr erreichen werde, habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Trainer Ron (Schmidt, Anm. d. Red.) entschieden: Ich forciere nun meine Abschlussarbeit und schaue dann, ob ich noch einmal die Motivation für den Triathlon finde.

Du hast lange überlegt, ob du deinen Fokus noch mal auf den Sport ausrichten willst und dich dafür entschieden. Warum?

Zum einen bin ich noch gar nicht so lange im Sport, erst seit 2014. Zum anderen brauche ich Ziele, die mich motivieren und antreiben. Ich mache das zeitaufwendige und fordernde Training nicht aus purer Freude an der Bewegung, sondern um das Beste aus mir herauszuholen und mich mit anderen Athleten zu messen. Das haben mir auch die Deutschen Crosslaufmeisterschaften im Vorjahr gezeigt. Ich habe gemerkt, dass ich noch Ziele habe.

Welche sind das?

Ich definiere nicht so gerne Ziele. Die besten Leistungen habe ich immer erreicht, wenn ich mich von Träumen und Zielen freigemacht habe. Aber klar ist: Ich habe in einigen Europacuprennen gezeigt, was ich kann. In Weltcuprennen konnte ich das nie abrufen. Ich will zeigen, dass ich im Weltcup auch eine Top-10- oder Top-15-Platzierung erreichen kann.

2018 hattest du eine Phase, in der es dir gelungen ist, starke Wettkampfergebnisse zu erzielen.

Da ist der Weltcup in Antwerpen (Platz 50, Anm. d. Red.) nicht gut gelaufen, weil ich mich zu sehr mit einer möglichen Top-Ten-Platzierung beschäftigt habe. Dann folgte ein Wettkampfblock, bei dem ich unter anderem zwei Top-fünf-Platzierungen in Europacups erreicht habe und Studentenweltmeister geworden bin, weil ich einfach mit der Einstellung reingegangen bin, dass ich das Beste geben will.

Wie schwierig ist es, immer mit dieser Einstellung in einen Wettkampf zu gehen?

Es muss einem vor dem Wettkampf gelingen, sich zu sammeln, zu sich zu kommen. In der letzten Stunde vor dem Start darf man nicht eine angepeilte Platzierung im Kopf haben. Wenn man ein gutes Rennen macht, erzielt man ganz automatisch ein gutes Ergebnis.

Du hast erst im Alter von 20 Jahren mit Triathlon begonnen. Denkst du manchmal: zu spät?

In Bezug auf meine Leistungsfähigkeit nicht. In Bezug auf taktisches Verhalten sicherlich. Gerade auf dem Rad habe ich einige Fehler gemacht, die meine Konkurrenten vielleicht schon im Jugendbereich gemacht haben. Da denke ich dann schon mal, hätte ich doch schon drei Jahre früher angefangen, als mich der damalige Teamleiter von Hannover 96 in die Mannschaft holen, ich mich aber lieber auf mein anstehendes Studium konzentrieren wollte.

Vielleicht hättest du auch ein professioneller Läufer werden können.

Ich bin schon richtig gute Zeiten gelaufen. Aber von den richtig guten Zeiten ist es trotzdem noch ein ganz schön weiter Weg bis in die deutsche Spitze. Vor ein paar Jahren habe ich mal überlegt, zum Laufen zu wechseln. Ich bin dann vier Wochen in Folge jeweils über 100 Kilometer gelaufen, habe einen schnellen 10-km-Lauf (30:46 Minuten, Anm. d. Red.) absolviert. Aber ich habe auch gemerkt, dass mir das reine Laufen zu eintönig war, mir die Abwechslung des Triathlons gefehlt hat.

Über deine internationalen Ziele haben wir schon gesprochen. Wie sieht es in der Bundesliga aus?

Mit dem Team habe ich in der Bundesliga schon mehrmals das Podium erreicht, ein Tagessieg mit dem Team und auch ein Einzelsieg wären ein Traum. Ich habe das Podium schon einige Male knapp verpasst. Mal unter die besten Drei zu kommen, wäre toll. Ein weiterer Erfolg mit der Mannschaft würde mir allerdings mehr bedeuten, weil die Bundesligarennen Mannschaftswettkämpfe sind und man dann zusammen feiern kann.

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