News: Frederic Funk: "Viele Leute denken, ich bin nicht mehr so schnell"

30.04.2020 15:31 von Thorsten Eisenhofer

Frederic Funk (Triathlon one Witten) gelingt der Spagat zwischen Mitteldistanzwettkämpfen und kürzeren Rennen bestens. Denn auch bei seinen Starts in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga erreicht er stets Top-20-Plätze. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum es ihm Spaß macht, anderen Leuten zu zeigen, was er drauf hat, warum er trotz der aktuellen Situation mit dem Coronavirus nicht in ein Motivationsloch fällt und warum er bereits in jungen Jahren auf die Mitteldistanz gewechselt ist.

Frederic, wie schwer ist es für dich in der aktuellen Situation, die Motivation für das Training zu finden?

Für mich ist es nicht schwer. Ich ziehe meine Motivation daraus, dass ich ein besserer Athlet werden will und dass ich das irgendwann im Wettkampf zeigen kann.

Und wie schaffst du das?

Es ist wichtig, dass der Tag eine Struktur hat. Vielen Leuten fehlt diese Struktur, wenn ihre gewohnte Arbeit wegfällt. Da besteht die Gefahr, in ein Motivationsloch zu fallen. Ich habe einen Plan für jeden Tag und mit diesem Plan komme ich gut voran. Morgens gehe ich laufen, mittags Radfahren und abends mache ich Athletik.

Nur das Schwimmen kannst du derzeit nicht trainieren. Aber in dieser Disziplin gehörst du ja eh zu den besseren Athleten.

In der Bundesliga fehlt ein bisschen was für ganz vorne. Aber auf der Mitteldistanz bin ich ganz gut dabei.

Apropos Mitteldistanz. Wie schwierig ist für dich der Spagat zwischen Mitteldistanz und den kurzen Rennen in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga?

Mein Fokus liegt natürlich auf den Rennen auf der Mitteldistanz. Die Bundesligawettkämpfe bestreite ich aus dem Training heraus. Seit ich vermehrt auf der Mitteldistanz unterwegs bin, fallen mir die Sprintdistanzen einen Tick leichter. Zum einen macht es richtig Spaß, eine Stunde durchzusprinten. Zum anderen sind meine eigenen Erwartungen und die Erwartungen von außen an mich nicht so groß. Ich kann die Wettkämpfe daher viel lockerer angehen. Und das wirkt sich positiv auf meine Leistung aus.

Die Strecken bei einer Mitteldistanz sind etwa viermal so lang wie bei einer Sprintdistanz. Ist es so einfach als Mitteldistanzler auf der Sprintdistanz schnell zu sein?

Die Mitteldistanz ist noch keine Langdistanz. Wenn man für eine Langdistanz trainiert, ist das anders. Für das Training auf der Mitteldistanz ist der Speed noch enorm wichtig. Das zeigt sich ja auch daran, dass viele Athleten, die vor allem Rennen auf der Olympischen Distanz bestreiten, auf der Mitteldistanz erfolgreich sind.

Was reizt dich als erfolgreichen Mitteldistanz-Athleten an den Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga?

Die Wettkämpfe machen richtig Spaß. Die Leistungsdichte ist extrem hoch. Innerhalb von einer Minute kommen 50 Athleten ins Ziel. Jeder kleine Fehler wird bestraft. Du wirst aber auch belohnt, wenn du das Rennen aktiv mitgestaltest. Ich habe immer richtig Bock, mit den Jungs um jeden Platz zu sprinten.

Klingt, als gibst du in jedem Rennen alles, auch wenn du die Wettkämpfe aus dem Training heraus bestreitest.

Ich gebe immer alles von Anfang bis zum Ende. Es macht auch keinen Unterschied in Bezug auf die Müdigkeit, wenn man es die letzten 200 Meter etwas ruhiger angehen lässt. Ich erhole mich immer sehr schnell von den Rennen – deshalb kann ich auch alles raushauen.

Du bist als Mitteldistanzler im vergangenen Jahr bei zwei Starts in der Bundesliga 16. und 20. geworden. Stolz?

Viele Leute denken, der ist jetzt auf der Mitteldistanz unterwegs, der ist nicht mehr so schnell. Es ist dann immer schön, es diesen Leuten zeigen zu können. Manchmal denke ich auch, was alles möglich wäre, wenn ich mich komplett auf die Sprintdistanz konzentrieren würde.

Stattdessen bist du schon in sehr jungen Jahren auf die Mitteldistanz gewechselt. Warum?

Ich hatte nie das Gefühl, dass ich auf der Kurzdistanz ganz vorne landen würde. Da haben andere Athleten deutlich mehr Potential. Daher habe ich gesagt, ich spiele lieber früh genug meine Stärken aus. Mittlerweile wechseln ja auch viele Athleten schon Anfang 20 auf die Mitteldistanz, das Durchschnittsalter für den Wechsel ist gesunken. Gustav Iden etwa ist nur ein Jahr älter als ich und vergangenes Jahr schon Weltmeister auf der Ironman-70.3-Distanz geworden.

Die Mitteldistanz kommt dir entgegen.

Das stimmt. Als starker Radfahrer profitiere ich von dem Windschattenverbot. Natürlich könnte ich mich auch auf der Sprint- und der Olympischen Distanz noch verbessern, noch bessere Ergebnisse als im Vorjahr in der Bundesliga erreichen. Das heißt aber nicht, dass ich so weit vorne mitspielen könnte wie auf der Mitteldistanz.

Du hast vergangenes Jahr den Ironman 70.3 auf Lanzarote gewonnen. Es war dein erster großer Profisieg. Was hat der Erfolg dir bedeutet?

Sehr, sehr viel. Es war der lang ersehnte Sieg, nachdem ich zuvor einige Podestplätze bei großen Mitteldistanzrennen erreicht habe. Es war eine Bestätigung und eine Erleichterung für mich, dass ich es kann und dass viel Potential da ist.

Du hast gesagt, es war eine Bestätigung für dich. Hattest du Zweifel?

Zweifel nicht, ich habe mit den Podestplätzen ja gezeigt, dass ich gut bin. Ich war einfach glücklich, dass es endlich mal geklappt hat, ganz oben zu stehen.

Zurück

Archiv

nach oben