News: "Dann hätte ich genauso schlecht geschlafen wie die letzten Wochen"

01.08.2019 07:41 von Thorsten Eisenhofer

Die beiden Mannschaften des EJOT Team TV Buschhütten haben durch ihre Erfolge beim dritten Rennen der Saison der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga in Tübingen einen großen Schritt zur Titelverteidigung gemacht. Teammanager Rainer Jung spricht im Interview über unruhige Nächte, Puls 180 beim Zieleinlauf, Hierarchien und Hausnummern sowie die positive Entwicklung der Liga.

Rainer, Glückwunsch zu den Erfolgen der Männer und Frauen in Tübingen.

Wenn du mich lächeln siehst, war der Tag erfolgreich. In Düsseldorf hatten wir wenig Spaß gehabt. Da war Potsdam bei den Männern einfach auch mega gut. Vier unter die Top Ten, das muss man erst mal machen. Wir hatten uns heute vorgenommen, die Hierarchie wieder zurechtzurücken. Das ist uns eindrucksvoll gelungen.

Bei den Männern habt ihr jetzt sechs Punkte Vorsprung auf Potsdam. Da ist der Titelgewinn doch eigentlich nur noch Formsache.

Du weißt, mit der Formsache habe ich es nicht so. Aber sechs Punkte Vorsprung heißt, wir könnten in Berlin Siebter werden. Es kann immer viel passieren, aber wenn das Rennen normal läuft, sollten wir den Spitzenplatz nicht mehr hergeben.

Also war der Erfolg in Tübingen ein wichtiger Schritt zur Titelverteidigung?

Definitiv. Sechs Punkte Vorsprung sind schon mal eine Hausnummer. Wir hatten noch nie vor einem Abschlussrennen sechs Punkte Vorsprung. Daher werde ich die zwei Wochen bis Berlin ruhiger schlafen als die vier Wochen zwischen Düsseldorf und Tübingen.

Waren die Nächte in den vergangenen Wochen so unruhig?

Definitiv. Solch eine Tabellensituation wie vor Tübingen wünscht man sich für die Bundesliga, weil Spannung da ist. Man muss definitiv anerkennen, dass Ergebnisse wie in Düsseldorf von Potsdam oder in Tübingen von Darmstadt cool für die Liga sind. Klar sind Jungs wie Dorian (Coninx, Anm. d. Red.) oder Ryan (Sissons, Anm. d. Red.) noch einmal eine andere Hausnummer. Aber man muss schon sehen, die Bundesliga rückt dichter zusammen. Das heißt, wir müssen uns noch mehr anstrengen, das Ganze ist kein Selbstläufer. Aber unser Anspruch muss sein, der Gejagte zu sein, der den Jägern keine Chance lässt.

Wäre Potsdam in Tübingen mindestens Zweiter geworden, wäre der Meisterschaftskampf weiterhin eng geblieben …

Dann hätte ich genauso schlecht geschlafen wie die letzten Wochen. Ich hatte vor dem Rennen in Tübingen das Gefühl, dass sich vielleicht noch die eine oder andere Mannschaft in der Tageswertung zwischen uns und Potsdam schieben kann, auch weil gemunkelt wurde, dass Potsdam Aufstellungsprobleme hat. Dass es jetzt so ausgegangen ist, ist nicht schön für die Jungs aus Potsdam. Aber ich nehme es mit.

Wie frustriert warst du nach Düsseldorf?

Ich war schon frustriert. Potsdam war an dem Tag einfach besser als wir. Selbst wenn wir noch zwei Athleten unter die Top Ten gebracht hätten, wäre es eng geworden. Was den anderen Mannschaften fehlt, ist die Breite des Kaders, um in jedem Rennen eine Top-Leistung abrufen zu können.

Jetzt kann man natürlich sagen, Buschhütten hat den höchsten Etat, die müssen immer Meister werden. Ist es aber auch schwierig, immer weiter an dieser Erfolgsserie zu stricken?

Das ist mega schwer. Von uns erwartet man, zu gewinnen. Im Grunde genommen verzeiht dir niemand den zweiten Platz. Ich kann vom Naturell her schlecht verlieren. Ich bin jetzt 60 geworden und was ich mir anerkennen muss: Vor fünf Jahren hätte mich solch eine Situation wie mit Potsdam innerlich kaputt gemacht. Heute sage ich: Die haben in Potsdam einfach etwas Gutes aufgebaut und wir müssen dagegenhalten.

Bei den Frauen habt ihr nach drei von vier Rennen sieben Punkte Vorsprung. Bekommen wir hier eine eindeutige Aussage von dir mit Blick auf den Meistertitel?

(lacht) Jetzt haben wir drei gute Rennen gemacht. Rang eins, vier und fünf reicht gerade so zum Gewinnen, weil Krefeld Zweiter, Dritter und Sechster wird. Normalerweise gewinnt man mit der Platzziffer immer sicher.

Wie hoch war dein Puls, als klar war, beim Endspurt zwischen Andrea Hewitt und Krefelds Sian Rainsley geht es um den Mannschafts-Tagessieg?

Der war schon bei 180. Nur Zweiter geht schließlich nicht. Aber Andrea Hewitt ist eine erfahrene Athletin. Sie wusste, was sie zu tun hat. Wenn man die Liga hier sieht, dann ist das nullkommanull zu vergleichen mit 2007, als ich hier eingestiegen bin. Das sind Welten. Welten. Da hat sich vieles ins Positive verändert. Die Bundesliga ist meiner Meinung nach mit Weltcuprennen zu vergleichen. An der Spitze definitiv. Ich habe gerade mit Ryan (Sissons, der Tageszweite, Anm. d. Red.) gesprochen. Er hat gesagt, er ist am Anschlag gelaufen. Und er hätte auch nicht schneller laufen können, wenn es das Rennen bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 gewesen wäre.

Krefeld hat euch in Tübingen ziemlich geärgert.

Das ist so. Sie haben gute Athletinnen, international sehr erfahrene Athletinnen. Hätten sie die ganze Saison so stark aufgestellt wie in Tübingen, wäre es für uns deutlich schwieriger geworden. Wir sind mittlerweile nicht unbesiegbar. Aber wir arbeiten daran, dass das so bleibt.

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